Freitag, 6. Februar 2015

Finca la Flor - Pura Vida

29. Januar - 6. Februar 2015
Die Tage vergingen wie im Flug auf der "Finca la Flor", vor allem, weil der Regen sich endlich einstellte. Schon morgens weckten uns die sanften Strahlen der costaricanischen Sonne, die meist bis in den späten Nachmittag anhielten. Manchmal regnete es wieder kurz, aber nie lang anhaltend. Das hiess, dass die nassen Klamotten endlich die Chance bekamen trocken zu werden.
Morgens wurden wir mit einem köstlichen Frühstück verwöhnt: Rührei, süsser Haferbrei, exotische Früchte und jede Menge Brot, bevor wir dann fleissig Spanisch büffelten in der Klasse.
Am Mittag sonnten wir uns in der Mittagssonne, was ja eigentlich eine Schnapsidee ist, weil sich dadurch einige einen starken Sonnenbrand holten - ich glücklicherweise nicht.
Nachmittags liess die Motivation für den Unterricht auch meist recht nach, aber umso mehr genossen wir die Freizeit, die uns zur Verfügung stand (einmal liefen wir eine Stunde lang den Berg hinunter, um ins Freibad zu gehen, oftmals ging ich mit einigen anderen für Kraftübungen in den "Sala de Yoga", einige Male kauften wir uns ein Eis im Supermarkt des Dörfchens und manchmal spielten wir einfach nur Kartenspiele). Die Zeit auf der "Finca" erinnerte mich persönlich ein wenig an ein unbeschwertes Ferienlager in der Natur - ohne jegliche Sorgen.
Eines Abends erhielten wir von unseren Spanischlehrerinnen einen Crash - Tanzkurs in den Tänzen Merengue, Bachata, Salsa und Cumbia. Alles wurde uns recht zügig eingetrichtert, was dazu führte, dass schlussendlich kaum jemand nur einen dieser Tänze beherrschte. Nichtsdestotrotz war die Stimmung super und der Abend wurde ein voller Erfolg.
An einem Abend besuchte uns Bekannte von Brigitte (der Eigentümerin von der "Finca), die uns ein Konzert gaben. Diese Bekannten sind eine internationale Familie - der Vater aus San Salvador, die Mutter aus Österreich, aber beide leben mit den beiden Kindern in Costa Rica.
Ausserdem kamen wir einige Male in Kontakt mit der "Hora tica". Das hiess, wenn uns gesagt wurde, dass die Aktivität um 19.30 Uhr beginnen würde, begann sie eigentlich erst um 20.00 Uhr.
Dasselbe galt für den Unterricht: Um 8.00 Uhr war der offizielle Start der Lektion, aber ich kann mich nicht erinnern, dass wir je vor 8.20 Uhr begonnen haben. Auch, als einige nach einem nächtlichen Barbesuch "krank" im Bett lagen oder es nicht vor 9.00 Uhr aus den Federn schafften, störte das eigentlich niemanden gross.
So nahte langsam, aber sicher das Ende der friedlichen Zeit mitten im Regenwald. Jede Spanischklasse entwarf ein Projekt für den Abschlussabend, das sie dann präsentierten. Zwei Gruppen entwarfen ein Theater über Stereotypen bezüglich Ausländern, eine Gruppe drehte einen Film mit dem Titel "Ein Tag auf der Finca la Flor", eine Gruppe schrieb einen Song mit dem Titel "Finca la Flor - Pura Vida" (das sie dann auf der Gitarre und mit Gesang präsentierten) und meine Gruppe führte Interviews mit Einheimischen durch, die wir zu einem Film zusammenschnitten.
So ging es am nächsten Morgen auch schon wieder ans Koffer packen. Goodbye Kakerlaken und Spinnen! Dennoch fiel der Abschied recht schwer aus. Wir alle hatten die Zeit, das Zusammenseins  und das superfeine Essen auf der Finca genossen und wussten, dass wir nun in das Ungewisse entlassen werden würden.
Zusammen führte uns der Bus zurück nach San José, wo wir zu Mittag assen, einen AFS - Ausweis und ein T - Shirt bekamen und dann auch schon auf verschiedene Busse aufgeteilt oder von den Gasteltern abgeholt wurden. Es flossen einige Tränen, jetzt, wo der Moment des Abschieds tatsächlich da war. Vor allem auch, weil viele ein Jahr bleiben würden und wir vom Semesterprogramm diese Leute gar nicht mehr sehen würden.
Am Nachmittag kam ich dann (zusammen mit Franziska aus Deutschland) mit gemischten Gefühlen in Cartago an: Nervosität, Anspannung, Angst, Trauer, Leere, Vorfreude...
Sie wurde dann aber sogleich von ihrer Gastmutter abgeholt, während ich im Haus eines AFS - Voluntarios darauf wartete, dass meine Gasteltern mich abholten. Eigentlich war vorgesehen, dass sie um 16.00 Uhr mich holen kommen würden, tatsächlich kamen sie aber erst um 19.15 Uhr - "Hora tica" live!
Wir fuhren dann sogleich zu einem Häuschen ausserhalb von Cartago, im Distrikt San Rafael (ein Distrikt ist wie eine Gemeinde in der Schweiz), wo mich unter anderem zwei Rhodesian Ridgebacks und zwei Dackel erwarteten. Ein wenig schüchtern begutachtete ich mein neues Heim. Die Gasteltern Ivonne und Alexander (beide in ihren Mitdreissigern) waren von Anfang an unglaublich nett und rücksichtsvoll (bezüglich langsam sprechen etc.). Sie präsentierten mir die Hausregeln, zeigten mir mein Zimmer (mit Hochbett) und erklärten  mir einige Dinge bezüglich des Alltagsleben.
Ich fühlte mich sogleich aufgehoben und behütet und hoffe, dass das auch so bleibt. Mit gutem Gefühl ging ich darauf zu Bett und freute mich auf die ersten drei Tage, die ich alleine mit der Familie verbringen würde (bevor ich meine Arbeit im Projekt antreten würde).

Spaziergang über die "Finca"

Im Regenwald

Unsere internationale Gruppe

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