Mittwoch, 25. Februar 2015

It feels like home to me

7. - 25. Februar 2015

Ich kann es kaum fassen, aber in dem Moment, wo ich das hier schreibe, bin ich bereits einen Monat hier in Costa Rica. Und es gibt einiges zu erzählen.
Das erste Wochenende lernte ich ein wenig das Familienleben kennen. Ich sah mich auch in meinem neuen Heim um. In dem kleinen modernen Häuschen hat es alles, was man braucht: Vom eigenem Badezimmer, Toaster und Mikrowelle über zwei Fernseher mit Netflix (!) bis zu Wlan hat es echt alles. Ausser einer Heizung, die man bei den kalten Nächten und dem bissigen Wind hier echt gebrauchen könnte. Ausserhalb des Hauses hat es eine Art Sitzplatz, der gleichermassen Parkplatz für die Autos, Standort der Waschmaschine und Abstellplatz der vier Hundehütten ist - ja, wir haben vier Hunde: Die Rhodesian Ridgebacks Togo und Mia sowie die Dackel Coco und Dolly. Um das Grundstück hat es eine hohe Mauer mit Stacheldrahtzaun, weil man hier meiner Gastmutter sogar schon mal die Weihnachtsdekoration geklaut hat. Demnach ist dies notwendig.
Ausserdem haben meine Gasteltern und ich drei wichtige Gemeinsamkeiten: Wir lieben den Sport, die Natur und das Essen.
So begann ich bereits an meinem zweiten Tag mit einem Cardio - Fitnesstraining mit Ivonne, bei dem mir beim ersten Mal so schwindelig wurde, dass ich mich gerade noch hinsetzen konnte, bevor ich umgekippt wäre. Zudem ging ich mit Alex und seiner Nichte Valentina (die das Wochenende mit uns verbrachte) mit den Hunden auf eine naheliegende Weide. Zum Schluss gingen wir alle zusammen in einer Mall essen, wo es wie überall in Costa Rica riesige Fastfood - Ketten hatte. Ich genoss alle drei Aktivitäten und verstand mich auch recht schnell mit der 7 - jährigen Valentina.
Am nächsten Tag wurde endlich mein sehnsüchtigster Wunsch erfüllt: Ich ging mit meiner Gastmutter nach San José shoppen. Es war ein toller Nachmittag, erstens, weil ich mir endlich ein paar warme Pullover kaufen konnte und zweitens, weil Ivonne genau so shoppingsüchtig ist wie ich. Check!
Am Montag konnte ich dann aber leider nicht, wie erwartet, mit meiner Arbeit im CEN - CINAI (eine Art Kinderkrippe für arme Familien, wo die Kinder erzogen und gesund ernährt werden und die Mütter auch Milch, Reis etc. für zuhause abholen kommen können) beginnen. Denn die Gesundheitsministerin sollte noch ein Formular ausfüllen, dass ich meine Arbeit antreten kann, und liess sich dafür aber eine Woche Zeit.
So blieb ich eine Woche zuhause, machte Fitness, las, schaute fern, lernte Vokabeln (wirklich!), ging mit den Hunden raus, traf mich mit einer AFS - Freundin und lernte sowohl Alex' Mutter und seine Schwester Angela - die Mutter von Valentina - sowie Ivonnes Eltern und ihre 38 - jährige Schwester Xiomara kennen.
Am Ende der Woche kündigte Alex seinen Job bei der Telekommunikationsfirma Convergy's, um selbständig einen Art Catering - Service für solche Unternehmen aufzubauen.
Aus diesem Grund gingen wir am Valentinstag zusammen mit Xiomara (die ihm dabei hilft) einige Besorgungen machen. Es war ein amüsanter Nachmittag, vor allem, weil ich mich mit Xiomara auf Anhieb verstand.
Am Sonntag ging ich mit meiner Kontaktperson Diego (25 Jahre alt) ein Eis essen. Wir waren eigentlich von Anfang an auf einer Wellenlänge.
Ganz allgemein fühlte ich mich echt wohl in der Familie. Klar, es gab auch Dinge, die ich machen musste, auch wenn ich sie nicht gerne tat - z.B. mein Zimmer aufräumen, weil Ivonne Ordnung liebt und es bei mir immer aussieht, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte.
Am Montag konnte ich dann meine Arbeit beginnen. Ich war total nervös und hätte, wenn ich die Wahl gehabt hätte, lieber noch ein paar Tage zuhause verbracht.
Dennoch lief alles wie am Schnürchen: Ich nahm den Bus ins Zentrum und von da aus den Bus ins Viertel San Nicolas, wo das CEN - CINAI sich befindet. Die Lehrerinnen und Köchinnen nahmen mich sehr freundlich auf, auch wenn sie am Anfang nicht genau wussten, wieso ich genau da war. Denn die Chefin Ellieth, die mich betreuen sollte, kam eine halbe Stunde zu spät. Hora tica otra vez.  Richtig eingeführt wurde ich schlussendlich auch nicht. Ich verbrachte einfach mal einen Tag mit der Lehrerin Milagro und ihren zwei - fünfjährigen Schützlingen. Anfangs war es schwer die Kleinen zu verstehen - da sie selber noch kaum sprechen konnten - und sie gehorchten mir auch nicht wirklich, doch von Tag zu Tag wurde es besser.
Am selben Nachmittag hatte ich noch eine Versammlung mit allen AFS - Freiwilligen und Austauschschülern aus Cartago, wo wir von den Voluntarios einige Informationen bezüglich Cartago bekamen und uns bei reichlich Essen noch ein wenig austauschen konnten.
Am Abend wurde ich dann mit meinem ersten Konflikt konfrontiert. Durch den Tag hatte mir sechs Mal jemand mit unbekannter Nummer angerufen und ich hatte nicht abgenommen (habe ein zweites Handy mit costaricanischer Simkarte). Es stellte sich dann raus, dass es meine Gastmutter vom Geschäft aus (sie arbeitet für das Computerunternehmen HP) gewesen war, weil sie sich erkundigen wollte, ob ich gut angekommen war und wie es mir so ginge. Nach einer kleinen Diskussion auf freundlichen Niveau, sah ich ein, dass mein Verhalten kindisch war und ich von jetzt an immer abnehmen würde - was nützte mir sonst das Handy? Ich will ja nicht, dass sie sich unnötig Sorgen machen.
Am zweiten Tag fragte ich bei der Chefin nach, was denn so meine Aufgaben seien, was ich anziehen soll und wie das mit dem Essen liefe. So erfuhr ich, dass ich eine Art Assistenzlehrerin bin, in normalem Look (einfach mit zusammengebundenem Haar) kommen und gratis in der Krippe essen kann. Mehr musste ich wohl nicht wissen. Aber eigentlich reichte das mir auch. Je weniger Vorschriften, desto mehr Freiheiten.
Die Arbeit an sich gefällt mir, auch wenn ich oftmals nicht mehr zu tun habe, als Kinder zu beaufsichtigen und aufzuräumen. Ich arbeite von 7.00 bis 15.00 Uhr, in der Zeit betreue ich zwei Gruppen (die eine von 7.15 bis 11.00 Uhr und die andere von 11.45 bis 14.45 Uhr) und meist bin ich recht erschöpft am Ende, denn so kleine Kinder geben viel Arbeit (bleiben nie sitzen, essen nicht alleine, können nicht alleine auf Toilette etc.).
Das folgende Wochenende genoss ich darauf umso mehr. Es war das Geburtstagfest von Valentina, die ihren achten Geburtstag feierte. Ich amüsierte mich, auch wenn ich noch ein wenig schüchtern war. Die Stimmung war total locker und fröhlich. Ausserdem waren Ivonne und Alex immer an meiner Seite. Die Aktivitäten bestanden aus viel (wirklich viel!) essen, reden, Seilspringen und Pinata zerschlagen - pura vida.
Am Sonntag ging es dann zum Mittagessen zu Ivonnes Eltern, wo ich unter anderem ihre zweite, 19 - jährige Schwester Natalia kennenlernte. Alle waren echt lieb sowie zuvorkommend und ich genoss den Nachmittag in ihrem Haus sehr.
Nun hat bereits meine zweite Arbeitswoche begonnen und es ergibt sich langsam ein richtiger Tagesablauf.

3.30 Uhr - Aufstehen & Fitnesstraining
5.00 Uhr - Duschen
6.00 Uhr - Haus verlassen
7.00 Uhr - Arbeitsbeginn
11.00 Uhr - Mittagspause
15.00 Uhr - Arbeitsende
16.00 Uhr - Back @home & mit Hunden raus
18.00 Uhr - Abendessen
19.00 Uhr - Fernsehen
20.30 Uhr - Bettruhe

Alles in allem bin ich total zufrieden. Klar, es gibt immer wieder Situationen, wo ich mich unsicher fühle oder mich schäme, aber "it feels like home to me" und ich vermisse eigentlich nichts.  Ich glaube, die Anpassung an das costaricanische Leben gelingt mir bis jetzt ganz gut.


Sonnenaufgang in San Rafael

CEN - CINAI



Alex, Linda & Ivonne

Mein neues Zuhause

Mit Togo auf der Weide






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