Hallo! Da bin ich wieder. Es ist schon etwas länger her seit meinem letzten Post und darum gibt es einiges aufzuholen. Legen wir also gleich los!
Das zweite Wochenende im April verbrachte ich mit nichts tun. Alex und Ivonne waren den ganzen Tag damit beschäftigt ihr neues Auto abzuholen, zu bezahlen etc., dass ich alleine zuhause rumsass. Ehrlich gesagt fühlte ich mich vernachlässigt und ja, alleine - und spürte wie ich in den Tag verschwendete. In dem Moment wurde mir auch klar, dass ich nicht mal mehr drei Monate hier sein würde und noch nicht all zu viel vom Land gesehen hatte - unteranderem, weil Alex und Ivonne mir noch kaum was gezeigt hatten. Ich wusste, ich musste etwas tun. Nämlich: Mich selber organisieren. Am darauffolgenden Tag, nachdem wir vom Mittagessen im Hause von Alex' Schwester heimgekehrt waren, sprach ich meine Gasteltern auf das Thema an. Ich fürchtete mich davor, aber das Gespräch entwickelte sich sehr positiv und all meine negativen Emotionen vom Tag zuvor verflogen.
Sie legten mir dar, dass sie mir gerne mehr zeigen würden, aber dass es einfach nicht möglich war - einerseits aus Zeitgründen (da beide 100% arbeiteten) und andererseits aus Kostengründen. Das verstand ich natürlich. Dennoch versprachen sie mir, dass sie mir dreimal einen entfernten Ort zeigen werden - ganz sicher das letzte Wochenende am Strand in der Karibik, den Vulkan Arenal und dann noch etwas nach meiner Wahl. Ansonsten müsste ich mich mit anderen Voluntarios oder Freunden aus Cartago arrangieren. Es gäbe da nämlich einen Tagestrip zur Isla de Tortuga im Pazifik, der ganz toll sein sollte. Ausserdem organisiert das Komité von Cartago eine dreitägige Reise zum Nationalpark Tortuguero in der Karibik. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werde ich beidem beiwohnen - so sehe ich zwei der schönsten Orte Costa Ricas - auch wenn meine Familie nicht dabei sein wird.
Zudem begann ich dann auch gleich schon am folgenden Tag mich für die letzten zwei Wochen, in denen ich Ferien haben werde, mit Freundinnen von AFS zu organisieren - auf keinen Fall möchte ich einen weiteren Tag meines Aufenthaltes verschwenden.
Am darauffolgenden Mittwoch ging es dann auch schon in den "Mid - Stay" mit AFS. Alle, die ein halbes Jahr bleiben würden, trafen sich so am Morgen früh im Büro von AFS in San José (einige mit einem üblen Kater, weil sie am Vorabend feiern waren). Der erste Tag sah so aus, dass wir unsere Erfahrungen präsentierten und zum wiederholten Male über kulturelle Differenzen bzw. Probleme diskutierten. Es war nicht superspannend, aber zumindest sah ich viele meiner Freunde wieder und konnte mich mit ihnen unterhalten.
Am Donnerstag ging es dann endlich los nach Nicaragua. An die zehn Stunden fuhren wir im Bus (mit kleinen Pipistopps und einem längeren Immigrationsaufenthalt an der Grenze) nach Granada - eine wunderschöne Stadt im spanischen Kolonialstil. Eine Hitze wie noch nie zuvor gefühlt und ein luxuriöses Hotel mit Pool sowie klimatisierten Zimmern erwartete uns. Den ersten Abend verbrachten wir durch die Stadt schlendernd und in einem guten Restaurant essend - alles war echt nach unseren Wünschen. Die einen verbrachten dann noch die halbe Nacht draussen (mir Alkohol natürlich), während ich mein Bett bevorzugte.
Am Freitag machten wir zuerst eine Bootstour auf dem Nicaraguasee, der voller kleiner bewohnter Inseln und exotischer Tieren ist. Mich erinnerte es ein wenig an die Everglades in Florida, die ich vor beinahe drei Jahren besuchte. Danach ging es weiter in die Hauptstadt Managua, wo wir den kleinen zugehörigen See sowie den grossen Hafen am bereits bekannten Nicaraguasee besichtigten. Die Hitze war echt drückend und es wehte leider nur ein leichter Wind am Hafen. Dennoch nutzen wir die Zeit, um viele schöne Erinnerungsfotos zu schiessen. Am Abend waren wir wieder zurück in Granada, wo wir eine klasse Kutschenfahrt in Pferdekutschen geniessen durften und dann alle zusammen einen nicaraguensischen Club von innen zu sehen bekamen. Für viele war dies der Höhepunkt der Reise, aber mich beeindruckte das ganze sichtlich wenig - was natürlich darauf zurückzuführen war, dass mir der Lärm, das Gedränge und der Alkohol in Clubs wenig zusagt.
Am Samstag bestiegen wir dann den nahgelegenen Vulkan Masaya. Schwitzend wie ein Haufen Schweine kamen wir oben an, jedoch wurden wir mit einer atemberaubenden Aussicht auf die karge Berglandschaft belohnt. Die Fotokameras blitzen nur so, versteht sich. Anschliessend ging es weiter auf einen typischen Markt - ein Labyrinth voller rotzsbilliger Ware. Ich kaufte mir kulinarische Spezialitäten, Schmuck und ja... Schuhe. Als Abschluss durften wir uns in die Fluten des Masayalagune werfen und einfach mal entspannen. Zudem hatte es Kajaks zur Verfügung, mit denen wir auf der Lagune rumkurven durften. Alles in allem: Paradisisch. Am Abend genossen wir ein weiters vorzügliches Abendessen in Granada und verbrachten den Rest der Zeit im Hotel - da uns aufgrund Lärmbelästigung verboten wurde nochmals in den Ausgang zu gehen. Was mich im Vergleich zum Rest der Truppe - logischerweise - nicht im geringsten störte.
Am Sonntag ging es auch schon wieder heimwärts. Jedoch machten wir frühmorgens einen zweistündigen Halt am Strand San Juan del Sur, was den Erfolg der Reise noch komplettierte. Müde, aber unendlich zufrieden, kam ich spätabends in Cartago an. Ich habe die Reise extrem genossen - auch, weil ich viele meiner Freunde wiedergesehen und noch besser kennengelernt habe.
Unter der Woche dann begann die Lehrerin Isabel, die sich den Arm gebrochen hatte, wieder zu arbeiten - und ich mit ihr. Obwohl ich anfangs traurig war, dass Stephanie nicht mehr im CEN - CINAI arbeitet (sie ist wieder ins CINAI in Cartago Centro zurückgekehrt), geniesse ich den Unterricht mit Isabel. Sie ist bereits etwas älter (und hat darum echt viel Erfahrung mit den Kleinen), hat sieben eigene Kinder und ist einfach eine witzige Person, mit der die Zeit schneller vergeht.
Am folgenden Wochenende begleitete ich Alex und Ivonne nach Puerto Viejo in der Karibik, wo sie einen "Gringo - Freund" mit seinen Hunden abholten, um sie nach Heredia zu bringen (in eine Art Hundehotel). Dies, weil Randy (so heisst der Freund übrigens) alle sechs Monate zurück in die Staaten reisen muss und niemanden hat, der sich um seine Hunde kümmert. Wir fuhren bereits um vier Uhr morgens los, wobei ich um zwei Uhr aufstand, um vorher noch Sport zu machen. Das Resultat davon: Ich schlief fast den ganzen Hinweg. Als wir ankamen, frühstückten wir und genossen einen Moment den Strand, obwohl es bewölkt war - dann holten wir auch schon Randy (sowie die Hunde) ab und machten uns auf den Rückweg. Wie soll ich die Heimfahrt nun beschreiben? Witzig? Verrückt? Chaotisch? Ein wenig von allem. Denn Randy als Person ist das grösste Chaos, das ich je gesehen habe. Er lebt alleine in den Bergen bei Puerto Viejo, ernährt sich nur von selbst angebauten Früchten, Gemüse (und Reis natürlich), duscht sich nicht, hat weder Fernseher noch Licht in seiner Hütte, weil er ohne Strom lebt und ist superhippiemässig in seinen Überzeugungen. Beispielsweise hatte er einen riesigen Sack quadratischer Bananen (eigentlich Kochbananen) bei sich - als Nahrung für die Hunde. Aber auch er ass welche auf der vierstündigen Fahrt und warf danach die Schale aus dem Fenster. Anmerkung: Nicht auf der Landstrasse oder im Regenwald, nein, in Heredia Centro. Oder er bestand drauf seinen Rucksack vorne bei sich zu haben, weil sein Essen darin verstaut war. Obwohl der Rucksack richtig dreckig und voller Ameisen war. Oder er zog sich die dreckigen Socken und Schuhe aus und verteilte sie quer über den Rücksitz. Die wirkliche Spitze aber war, als wir bereits wieder zuhause ankamen und Randy bei einem Freund in Cartago abgesetzt hatten. Denn, als ich aussteigen wollte, fand ich ein offenes Glas voller Reis unter dem Sitz. Und logischerweise war das Glas schon zur Hälfte leer, weil der Reis kreuz und quer unter dem Sitz verteilt war. Ja, die Reise war witzig, verrückt und chaotisch. Noch immer reissen wir zuhause Witze darüber wie unmöglich das ganze Szenario gewesen war. Und mir wurde so auch klar, dass ich niemals mit jemandem wie Randy zusammen leben könnte - so katastrophal chaotisch war nicht mal ich. Krass müde von der Reise (und dem vielen Lachen) gingen wir so bereits um 18.00 Uhr schlafen.
Am darauffolgenden Tag entspannten wir, putzen das Haus (meine Lieblingsaktivität...), nahmen an einem Familienpicknick vom AFS Komité Cartago teil und besuchten die Mama von Alex. Ich freute mich die Familie meiner Freundin Franzi kennenzulernen - genau so wie auch Alex' Mutter Eloisa wieder mal zu sehen. Die Stimmung war locker, alles war gut - ein toller Sonntag in Cartago.
Hier muss ich noch anmerken, dass sich die Beziehung zwischen meinen Gasteltern und mir seit diesem Wochenende nochmals stark verbessert hat. Wir verstehen und kennen uns schon unglaublich gut - das fühlt sich einfach schön an.
Ausserdem fühle ich mich gut umsorgt bei ihnen, auch wenn ich nicht immer zufrieden bin mit dem, was sie tun oder sagen. Beispielsweise hat mir Alex letzte Woche die Fitnessdisks weggenommen, weil er Angst hatte, dass ich "abhängig" werde. Dies weil ich tatsächlich um 2.00 Uhr aufgestanden war, um jene Kraftübungen zu machen. Er meinte, wenn ich eine Woche ohne Sport aushielte und so meine "Besessenheit" kontrollieren lerne würde, bekäme ich sie wieder zurück. Und genau so war es auch. Obwohl ich noch immer bestreiten würde, dass ich besessen bin - es ist mir einfach sehr wichtig, dass ich mich sportlich betätige.
Das letzte Wochenende war ein weiterer Erfolg. Nachdem ich einen weiteren Tag mit Magenproblemen zuhause geblieben war (das Abendessen aus Milch und Bananen ist mir nicht gut bekommen) reiste ich zusammen mit Angie, Gerardo, Valentina, Ivonne und Alex für drei Tage zum Vulkan Arenal. Wir übernachteten in einem Hotel mit direktem Blick auf den Vulkan - zudem mir Pool und heissen Thermalquellen zum baden.
Am Freitag (1.Mai und somit Feiertag) besuchten wir eine Art landwirtschaftliche Messe, kauften Souvenirs (endlich fand ich Postkarten!) und entspannten im Hotel.
Am Samstag dann unternahmen wir eine Bootsfahrt auf dem Arenalsee, welche einfach nur traumhaft schön war. Wir konnten die besten Bilder vom Vulkan schiessen (danke Wetter!) und die Natur geniessen. Es war echt ein Traum. Danach besuchten wir noch den Nationalpark des Vulkans und genossen erneut den Pool und die Thermalquellen im Hotel. Gemütlich sassen wir abends zusammen und ich fühlte mich einfach toll - so richtig Ferienstimmung kam auf.
Am Sonntag blieb noch ein wenig Zeit uns zu sonnen - das Ambiente zu geniessen - und dann ging es auch schon wieder zurück nach Cartago. Alex und ich holten uns noch einen leichten Sonnenbrand - ein kleines, unerwünschtes Souvenir, das wir mitnahmen. Auf der Heimreise spassten wir viel und hatten es superlustig im Auto. Meiner Meinung nach hätte nicht besser sein können!
Nun hat leider wieder der normale Alltag begonnen. Aber ich bin glücklich. Ich versuche jeden Moment auszukosten - zu geniessen. Mir bleiben noch knapp zwei Monate hier und ich will so viel möglich erleben und alles in mir aufnehmen - so dass diese Zeit unvergesslich für mich bleibt.
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