Mittwoch, 8. April 2015

Strand & Berge

19. März - 8. April

Hier bin ich wieder mit meinem Blog. In der Schweiz hält langsam, aber sicher der Frühling Einzug, während hier in Costa Rica das Klima noch ein und dasselbe ist. Okay, ein paar warme (wenn nicht sogar heisse) Tage konnten wir verzeichnen, aber so radikale Jahreszeiten wie in der Schweiz gibt es auf diesem Flecken Erde nicht. Eigentlich wird nur zwischen Trocken - und Regenzeit unterschieden - November bis März ist Trockenzeit und April bis Oktober ist Regenzeit. Demnach werde ich in nächster Zeit wohl mit viel Regen Vorlieb nehmen müssen.
Mit Regen in Kontakt bin ich auch am Samstag vor drei Wochen gekommen, als ich mit meiner Familie in den Bergen nahe San José zu einem Rennen (20km) von Alex fuhren. Während er im Platzregen draussen startete, blieben Ivonne und ich im trockenen Auto sitzen und versuchten uns die Zeit irgendwie zu vertreiben. Jedoch musste ich so dringend auf Toilette, dass ich das sichere Auto doch verlassen musste. Leider fand ich dann auch die Toilette nicht und endete schlussendlich im Wald, wo mich glücklicherweise keine Schlangen oder ähnliches angriffen. Dennoch war ich durchtränkt, als ich wieder ins Auto stieg. Ironischerweise hörte es nur Minuten später auf so heftig zu regnen und wir konnten mit einigen Bekannten in Ruhe auf Alex warten - der als Zweiter ins Ziel einlief. Gratulation! Und er wirkte nicht mal so wirklich erschöpft! Danach gings noch kurz in den Price Smart Pizza essen und Energie auftanken (auf jeden Fall Alex - ich habe ja jetzt nicht so viel getan). Zuhause dann warf ich einen Blick auf die Früchte, die ich am Morgen zusammen mit Xiomara auf der "Feria" (ein Gemüse - und Früchtemarkt in Cartago) gekauft hatte - denn es hatte viele exotische darunter, deren Namen ich schon wieder vergessen habe. Die meisten schmeckten ganz gut, kann ich jetzt im Nachhinein sagen, aber die Ananas und die Wassermelone konnte bis jetzt noch keine toppen. Dennoch war es echt schön über den Markt zu schlendern, die Geschäftigkeit der Verkäufer und Käufer mit zu erleben und ab und zu einen Halt einzulegen, um z.B. Kokosnussmilch zu probieren.
Am Sonntag blieben wir wieder einmal zuhause, ich skypte mit meiner Familie und entspannte mich von der strengen Arbeitswoche.
In der nächsten Woche lernte ich Stephanie kennen - die Vertretung für die Lehrerin mit dem gebrochenen Arm. Wir verstanden uns von Anfang an ziemlich gut und ergänzen uns so auch in der Arbeit. Ebenfalls gut ist, dass ich die Gruppe gewechselt habe und dadurch jetzt alle Kinder kenne, die ins CEN-CINAI kommen. Zudem sind diese Kinder ein wenig ruhiger und gehorsamer wie die der anderen Gruppe. Die Arbeit gefällt mir, aber ich merke bereits wie meine Motivation von Tag zu Tag nachlässt - die Kinder geben viel Arbeit,
machen einfach nicht das, was du gerne hättest, und die Aktivitäten sind jeden Tag dieselben und so ziehen sich die acht Stunden halt ziemlich krass in die Länge.
Aber immerhin nutzen wir nun auch den Spielplatz hinter dem Haus, den Mila (die andere Lehrerin) nicht benutzen wollte, weil ein Spielgerät kabutt ist. Meiner Meinung nach ist es aber wichtig, dass die Kleinen ein wenig Sonne & Vitamin D tanken - man muss halt einfach aufpassen, was sie tun.
Am Ende der Woche war ich echt erschöpft und freute mich auf die kommende Karwoche bzw. Semana Santa. Am Samstag ging ich zu meinem Tuchakrobatik bzw. Acrotelaskurs, den ich jeweils zweimal die Woche in Cartago Centro besuche und eine gute Abwechslung zum Geräteturnen bildet.
Am Sonntag verbrachte ich mit Franzi und Noel aus Deutschland einen Nachmittag in San José - chillen, essen und Deutsch sprechen waren da die Hauptaktivitäten.
Montag und Dienstag verbrachte ich zuhause und plante, was ich gerne von Costa Rica sehen würde. Denn mir wurde bewusst, dass ich noch kaum was vom Land gesehen hatte, obwohl bald schon die Hälfte meines Aufenthalts vorbei war. Viele meiner internationalen Freunde waren schon verplant: Die einen reisten gemeinsam, die einen verbrachten Ferien am Strand und wieder andere fuhren sogar nach Panama mit der Familie. Da aber meine Eltern arbeiten mussten, merkte ich, dass ich mein "Reisen" selber organisieren musste.
Ich fühlte mich gestresst, denn natürlich waren bereits alle Hostels belegt, was eine Reise zu einem Strand, wo bereits andere AFS - Leute waren, auschloss. Ich fürchtete, die ganze Semana alleine zuhause zu verbringen.
Zum Glück aber rief mich Mila an und fragte, ob ich mit ihr, ihrem Mann Humberto und der achtjährigen Génesis nach Guanacaste (Pazifikfiküste) an den "Playa del Coco" fahren möchte für einen Tag. Natürlich sagte ich zu, schlief bei ihnen zuhause, sodass wir am Morgen früh (um 5.00 Uhr) aufbrechen konnten. Die fünfstündige Fahrt führte raus aus dem grünen "Valle Central" und rein in die trockene, steppenartige Landschaft Guanacastes - mit sehr heissen Temperaturen inklusive. Ich fühlte mich unglaublich, als ich endlich am Strand ankam und mich zusammen mit Génesis in die Wellen stürzen konnte. Wir amüsierten uns echt gut zusammen und genossen die Atmosphäre.
Das Problem aber leider war, dass Humberto Fremdenführer ist und wir so nach nur eineinhalb Stunden am Strand bereits wieder aufbrechen mussten, um Hotels zu besichtigen (also Humberto besichtigte sie - wir mussten im Auto ohne Klimaanlage warten). Am Ende hoffte ich, dass uns nochmals ein wenig Zeit am Strand bliebe, aber zu meiner Enttäuschung war um 15.00 Uhr bereits wieder die Rückreise angesagt. Müde von den insgesamt zehn Stunden Autofahrt und auch enttäuscht von der kurzen Zeit, die mir am Strand zu Verfügung gestanden hatte, erreichte ich so gegen 21.00 Uhr mein Zuhause in Cartago. Ich war wirklich nicht zufrieden, dass ich eine so lange Reise auf mich genommen hatte, um dann nur so kurz am Strand zu verweilen - aber schlussendlich musste ich mich glücklich schätzen, dass mich Mila mitgenommen hatte und ich zumindest einmal den Strand gesehen hatte - auch wenn das ganze Vorhaben alles andere als entspannend gewesen war.
Am Donnerstag ging ich zusammen mit Ivonne und ihrer Familie zu einem kleinen See nahe des Vulkans Irazu Forellen fischen und danach picknicken. Es machte richtig Spass zusammen mit meinem "Grossvater" Mario zu fischen (ausser das Töten war echt grausam), die Fische zuzubereiten und danach bei einem gemütlichen Beisammensein "Ceviche" (roher Fisch mit Zwiebelen und Tomaten) und gebratene Forelle mit Reis und Salat zu essen. Kurz vor dem Essen stiess auch Alex noch dazu, da er am Morgen arbeiten musste. Am Ende verbrachten wir den ganzen Nachmittag an dem friedlichen See, schossen Fotos, genossen die Sonne, redeten viel und amüsierten uns super. Ich habe ausserdem irgendwie das Gefühl, dass der Tag, den ich nicht zuhause gewesen bin, der Beziehung zwischen Ivonne und mir gut getan hatte - ich kann nicht genau sagen warum, aber ich fühlte mich noch geborgener mit ihr als zuvor.
Für Karfreitag und Karsamstag fuhr ich darauf - nachdem ich einer Prozession zu Ehren Christi im Quartier beigewohnt habe - mit Ivonne und Alex in die Berge nahe Cartago (Santa Maria de Dota) wo Alex' Tante ein Ferienhaus hat und ihn sowie ihre zwei Söhne und ihre Tochter (inklusive Familie) eingeladen hatte. Zusammen verbrachten wir zwei echt gemütliche Tag abgeschieden von der Zivilisation - gingen wandern, assen viel (nur kein Fleisch, da alle katholisch sind), genossen die Natur und die echt atemberaubende Aussicht. Ich lernte viele weitere Leute aus Alex' Familie kennen - alle nahmen mich herzlich und interessiert in die Gemeinschaft auf - und ich konnte zudem mal ein wenig runterfahren, was mir echt gut tat. Über Nacht schliefen wir alle (wir waren etwa 15 Leute) auf Matten am Boden, was mir irgendwie ein Vertrautheitsgefühl untereinander vermittelte. So oder so fühlte ich mich echt gelöst. Ausserdem verstand ich mich blendend mit Alex - nicht, dass wir es je schlecht gehabt hätten, aber nun kommunizieren wir wie auf einem anderen Niveau: Wir machen Witze, führen weniger oberflächliche Gespräche und lachen viel. Er zeigte mir beispielsweise viele landschaftliche Aspekte auf den Wanderungen und neckte mich, als ich dreimal auf die Nase fiel (und folglich hübsche Schrammen davontrage).
Ich merkte nach diesen zwei Tagen wie stark ich die Berge vermisst hatte und wie gut es tat einfach mal rauszukommen: Bergluft lässt sich einfach durch nichts ersetzen. Und auch wenn wir nicht an den Strand gefahren sind, bin ich mehr als dankbar dies erlebt zu haben.
Am Sonntag bzw. Ostern machte ich zum ersten Mal in meinem Leben nichts aussergewöhnliches: Den ganzen Morgen verbrachten wir eigentlich mit Haus putzen und Sport treiben. Danach gingen wir in die Mall essen, kauften uns noch ein Eis und das war es eigentlich auch schon. Keine Osterhasen, keine Kirche, aber um ehrlich zu sein: Vermisst habe ich nichts. Okay, die Schokolade hätte ich jetzt schon gerne hier bei mir.
So ging dann am Montag auch schon wieder der Alltagstrott los. Sichtlich unmotiviert und wie immer müde nach den Ferien ging ich wieder zur Arbeit und freute mich auf den kommenden Feierabend - aber wem ging es wohl nicht ebenso?
Nichtsdestotrotz bin ich zufrieden wie die Dinge hier in Costa Rica laufen. Klar, ich würde gerne mehr vom Land sehen, aber mir verbleiben ja noch knapp drei Monate, in denen ich mich auf das Reisen konzentrieren kann und am besten auch ein wenig früher mit der Planung beginne bzw. die Dinge selbst in die Hand nehme und nicht warte, bis mir meine Gasteltern ein Programm auftischen.
Ausserdem geht es in einer Woche nach Nicaragua in den "Mid - Stay", worauf ich mich jetzt schon riesig freue.


Auf der "Feria"


Nach dem Rennen von Alex

Die Landschaft von Guanacaste

Playa del Coco

Mit Génesis am Strand

Am Fischen

Familienbild (ohne Mario)

Bergtraum in Santa Maria de Dota


Familie im Sonnenuntergang

Am Wandern

Prozession am Karfreitag

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