8.
Mai – 27. Mai 2015
Meine Zeit hier in Costa Rica neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Mittlerweile bleibt mir nur noch ein Monat in diesem wundervollen Land - mit diesen wundervollen Menschen. Es fällt mir oftmals schwer den Moment zu geniessen und nicht daran zu denken, dass ich bald gehen muss. Doch genau dies muss ich jetzt tun: Jeden Moment auskosten und nicht an morgen denken.
Demnach habe ich mir auch alle verbleibenden Wochenenden ziemlich verplant, sodass mir folglich wenig Zeit bleibt jemanden zu besuchen oder mich mit Freunden zu treffen. Doch ich glaube es ist gut so. Ich würde es nämlich bereuen heimzukehren, ohne dass ich viel vom Land gesehen hätte. Und, wenn ich rumreise, bin ich ja nie allein – ich verbringe dann auch Zeit mit der Familie oder Freunden.
Aber nun zu meinen Erlebnissen in den vergangenen drei Wochen…
Das zweite Maiwochenende verlief sehr ruhig und entspannt. Am Samstag war es wieder einmal an der Zeit das Haus zu putzen und mit meiner Schweizer Familie zu skypen. Danach blieb noch eine Menge Zeit zum entspannen und nichts tun. Ich genoss die Zeit zuhause mit meiner Familie – denn dies war gleichzeitig der letzte Tag, der nicht völlig verplant war mit Aktivitäten (so wie es die kommenden freien Tage sein würden). Am Abend schauten wir einen Film, redeten und waren einfach froh zusammen zu sein – hier und jetzt.
Am Sonntag ging es dann mit Ivonnes ganzer Familie (endlich mal!) auf den sozusagen vor der Haustüre liegenden Vulkan Irazú. Da Touristen viel teurer bezahlen wie Einheimische (fast das Vierfache!), wollten Alex und Ivonne mich als Costaricanerin rein schmuggeln. Leider aber flog ich aufgrund meiner blauen Augen und der weissen Haut, die der Parkwächter durch das Autofenster wahrnahm, sofort auf und durfte den vollen Preis für den Eintritt bezahlen. Naja, ein Versuch war es wert… Das Wetter auf dem Vulkan war hervorragend – keine Wolke stand am Himmel - so konnte man problemlos den Krater und die Lagune betrachten. Danach zeigte mir Mario verschiedene tropische Pflanzen, während wir im Nationalpark spazieren gingen. Ausserdem stieg ich auf den höchsten Punkt des Vulkans hinauf, der über 3000 Meter über Meer liegt – noch nie war ich so hoch oben! Anschliessend genossen wir den Ausblick, picknickten im Nationalpark und atmeten die frische Bergluft ein. Alles in allem: Ein perfekter Sonntag.
Die folgende Woche ging es wieder an die Arbeit – doch dieses Mal mit einer Veränderung, denn ich begann als mein persönliches Projekt deutsche Kinderlieder zu unterrichten. Am Anfang waren die Kinder reichlich verwirrt, da sie nicht verstanden, was ich sang. Doch sie lernten richtig schnell und sprachen die deutschen Wörter schon nach kurzer Zeit sehr gut aus. Mir persönlich fiel es auch leicht. Ich hatte keine Scham vorzusingen, obwohl ich ja wirklich keine gute Sängerin bin. Ausserdem macht es mir Spass täglich mit den Kinder zu singen und ihre Fortschritte zu sehen. So ist der Arbeitstag auch weniger eintönig und bietet mehr Abwechslung.
Insgesamt bringe ich den Kindern drei Lieder bei: Zwei deutsche („Finger Familie“ und „Wenn du fröhlich bist“) und ein schweizerdeutsches („Oh du goldigs Sünneli“), wobei sie weitaus mehr Probleme mit der Betonung der schweizerdeutschen Wörter haben. Aber am meisten Probleme haben wohl die Lehrerinnen, denn keine der beiden bringt es fertig die Wörter „Sünneli“ oder „schine“ einigermassen akzeptabel auszusprechen. Dies wiederum ist witzig für die Kleinen und mich und sorgt für eine lockere und spassige Atmosphäre im Klassenzimmer. Nebenbei glaube ich, dass es der Mehrheit der Kinder Spass macht die Lieder zu lernen und zu hören wie ich in meinem Land spreche. Natürlich hat es immer einige, die nicht mitmachen möchten bzw. nicht singen oder nicht still sitzen und zuhören können. Aber dies ist normal, denke ich.
Ausserdem ging ich jeden Tag sechs Kilometer joggen, um mich auf den „Perrocross“ des folgenden Sonntags vorzubereiten, wo ich zusammen mit Mia teilnehmen würde. Der Muskelkater war grauenhaft anfangs, doch glücklicherweise besserte der Schmerz stetig von Tag zu Tag.
Am Donnerstag passierte mir noch eine Dummheit: Ich verlor eine der DVD‘s des Fitnessprogrammes, das ich mache. Draussen. Im Regen. Klar, dass mir Alex sagte, dass er mir nie mehr eine leihen würde, bis ich nicht die andere wieder fände. Ich suchte und suchte, fand aber nichts. Und ich schämte mich endlos.
Am folgenden Wochenende besuchte ich am Samstag mit einer Tour des Unternehmens „Calypso“ die Insel Tortuga im Pazifik. Zusammen mit Mila, ihrem Ehemann Humberto (der normalerweise auch für „Calypso“ arbeitet) und Génesis - sowie mit etwa 30 Gringos und einigen Einheimischen - genoss ich die Reise im Katamaran und danach den Aufenthalt auf der Insel, die ein echter Traum ist. Ein wenig erinnert sie mich an eine dieser karibischen Insel aus „Fluch der Karibik“ – grüngesäumte Felsen, umgeben von türkisfarbenem Meer. Am Vormittag dann fuhren wir mit einem Boot von der Insel zu einem Felsen, wo wir Schnorcheln gehen konnten. Es war das erste Mal für mich und eine tolle Erfahrung, wenn ich auch eingestehen muss, dass Schnorcheln kein Sport für mich ist. Mit der Zeit begann mich nämlich die Taucherbrille inklusive Schnorchel echt zu drücken, was dazu führte, dass ich am Ende von Kopfschmerzen und leichter Übelkeit geplagt wurde. Nichtsdestotrotz konnte ich prächtige Fischschwärme unter Wasser beobachten, was richtig cool war. Nach einem vorzüglichen Vier – Gänge – Menu auf der Insel (da unter freiem Himmel zubereitet) kam ich noch in den Genuss eines Banana – Boat – Rides. Leider aber zogen bereits Wolken am Himmel auf und der Wellengang nahm zu – ein Gewitter war im Anmarsch. Deshalb kürzten wir nach einem Sturz vom Banana – Boat diese Aktivität ab (vor allem weil es auch zu gefährlich wäre, falls der Wellengang noch stärker zunehmen würde). Dafür blieb uns immerhin noch ein wenig mehr Zeit am Strand.
Plötzlich aber zogen Blitze über den Himmel, Donner dröhnten aus der Ferne und ein Platzregen fuhr auf uns nieder. Alle wussten: Es war an der Zeit aus dem Wasser zu kommen und den Rückzug anzutreten. Und so war es dann auch: Mitten im Gewitter wurden wir mit Booten zum Katamaran chauffiert, wo wir dann von einem schaukelnden Boot zum anderen wechseln mussten. Ein wenig Angst jagte mir das ganze Szenario schon ein (in einem kleinen Boot - im Sturm - auf dem Ozean!), doch auf der Rückfahrt beruhigte sich das Gewitter recht rasch. Der Nachteil war, dass ich völlig durchnässt (auch mein Rucksack und die Wechselkleider trieften) in Puntarenas ankam und so noch zwei Stunden frierend im Bus verbrachte, bis ich endlich in Cartago ankam. Trotz unvorhersehbarem Klimawechsel war die Reise ein Erfolg.
Am Sonntag startete ich dann bei traumhaften Wetter mit Mia am „Perrocross“. Wie immer war ich supernervös vor dem Rennen, vor allem, weil ich noch nie zuvor mit einem Hund gerannt bin. Das Rennen an sich war das strengste Rennen, das ich je gerannt bin. Da die Piste sich in den Bergen (nahe Cartago) befand und durch Wald und Fluss führte, war unglaubliches Durchhaltevermögen und Ausdauer von Nöten. Schon nach kurzer Zeit ging mir die Luft aus, was unter anderem auch daran lag, dass ich mir nicht gewöhnt bin auf 2200 Metern über Meer Ausdauersport zu betreiben. Ausserdem war Mia nicht so drauf aus schnell zu rennen und ich musste sie immer wieder motivieren – das macht ebenfalls müde. Kurz vor dem Ziel (nachdem Mia und ich den Fluss passiert hatten) kam eine Steigung von mehr als 15%, bei der ich einfach kurz innehalten und gehen musste – ich konnte einfach nicht mehr. Am Ende dann kamen wir ausgelaugt im Ziel an – auch Mia hatte keine Kraft mehr vorrätig, erholte sich aber recht schnell.
Unterdessen gab Alex Vollgas und gewann zum dritten Mal in Folge den „Perrocross“ – mit grossem Abstand. Mit Ivonne, Valentina, Gerardo und Angie genoss ich danach noch die Atmosphäre des Anlasses – eine riesige Menge an Leuten um die Piste versammelt und alle mit ihren Hunden: gross und klein, lang – und kurzhaarig, dünn und dick. Ist eine klasse Idee ein solcher Perrocross! Hat mir echt gefallen teilzunehmen.
Schlussendlich wohnten wir der Rangverkündigung bei. Alex (wie schon erwähnt) auf dem ersten Platz der Kategorie Männer, Valentina auf dem zweiten Platz der Kategorie Kinder und ich auf dem fünften Platz der Kategorie Frauen. Objektiv betrachtet ist es eine hervorragende Leistung den fünften Platz unter 103 Teilnehmerinnen zu erreichen (vor allem, weil ich zum ersten Mal an einem solchen Event teilnahm), dennoch war ich enttäuscht so knapp das Podest verpasst zu haben. Auf der Rückfahrt machte ich meinem Ärger Luft, was nur dazu führte, dass sich Alex und Gerardo über mich lustig zu machen begannen. Ich weiss, dass meine Reaktion lächerlich war, aber ich konnte mich in dem Moment einfach nicht bremsen, da ich ehrlich gesagt eine echt schlechte Verliererin bin.
Nachdem ich geduscht hatte, ging es mir schon ein wenig besser (auch wenn ich mich noch immer ärgerte) und wir fuhren zu Xiomaras Haus, wo Ivonnes ganze Familie sowie Angie, Gerardo und Valentina zum Grillieren kamen. Das Fleisch war ausgezeichnet und ich genoss das Zusammensein in der Familie – trotz meiner Niederlage.
Ach ja: Alex gestand mir, dass er die Fitness – DVD bereits am Donnerstag wieder gefunden hätte. Ich schämte mich in Grund und Boden und fragte mich abermals wie das passieren konnte. Wunderlicherweise war er aber nicht wütend, nein. Er sagte mir, dass er mir von nun an drei Mal die Woche die DVD’s leihen würde – nämlich die Tage, an denen ich nicht Vertikaltuchkurs habe. Und am Wochenende sollte ich entspannen. Ich sei nämlich schon wieder „besessen“ vom Krafttraining geworden und er möchte dies hiermit bremsen. Dieses Abkommen war für mich in Wirklichkeit echt okay und ich liess mich auf den Deal ein. Besser als gar keine DVD’s mehr!
Die folgende Woche besuchte ich unter anderem Alex‘ Mutter Eloisa, die mir schon ans Herz gewachsen ist. Eine so starke, liebevolle, fürsorgliche und gutmütige Person ist echt unersetzbar. Es tut mir gut mit ihr zu sprechen, auch bezüglich Alex, denn da sie seine Mutter ist, versteht sie ihn besser wie jeder andere und kann mir hilfreiche Ratschläge geben (wie ich mich verhalten sollte, was ich nicht so ernst nehmen sollte etc.).
Das letzte Wochenende fuhr ich zusammen mit meiner Kontaktperson Diego, seiner besten Freundin Tatiana und der ungarischen Austauschschülerin Zsófi nach Malpaís (Halbinsel Nicoya, Puntarenas) an den Strand. Da aber die Europäerinnen zu spät kamen, verpassten wir den direkten Bus freitags um 14.00 Uhr in San José und mussten so zuerst mit dem Bus nach Puntarenas fahren, dann auf die Fähre nach Paquero wechseln, von dort mit dem Bus nach Cobano und danach nochmal in einen Bus nach Santa Teresa umsteigen. Wir hatten aber leider Pech und verpassten die Fähre um 17.00 Uhr abermals, was dazu führte, dass wir erst um 20.00 Uhr wieder eine Fähre hatten, und uns schlussendlich dazu zwang in Paquero zu übernachten – denn nach 22.00 Uhr fuhren keine Busse mehr. Dies war aber nicht weiter schlimm und wir erreichten am Samstag kurz vor Mittag unser Hotel in Santa Teresa (weil wir knapp eineinhalb Stunden auf einen Bus in Paquero warten mussten).
Den Nachmittag verbrachten wir am Strand, der einfach wunderprächtig ist – genauso wie man sich einen tropischen Strand vorstellt. Palmen mit Hängematten, eine Strandbar, feiner Sand und das klarblaue Meer, das bis zum Horizont reicht. Das einzige Negative waren die hohen Wellen, die mich einige Male mitnahmen und auf den Strand zurückschleuderten – bis ich lernte unter ihnen durch zu tauchen, bevor sie sich brachen. Ich schoss eine Menge Fotos, kletterte auf einen Stein, der von Wellen umgeben und von einer Horde Krebse besiedelt war (die aber glücklicherweise vor mir flohen) und nützte ein Vertikaltuch, das an einer Palme befestigt war, um ein wenig Akrobatik zu praktizieren. Am Abend kochten wir und besuchten danach noch eine Bar, was aber nicht allzu spannend war, da es kaum Leute und nur prähistorische Latinomusik hatte.
Am Sonntag ging es abermals an den Strand, bevor wir dann auch schon die Rückreise antraten. Die Hitze war unerträglich, vor allem, weil uns nun kein Meer mehr zum Abkühlen zur Verfügung stand. Wir speisten in Cobano und nahmen dieses Mal den direkten Bus nach San José. Auf der Fähre konnten wir einen der schönsten Sonnuntergänge auf dem Pazifik beobachten – einfach „precioso“. So was Schönes bekommt man nur selten zu Gesicht! Ich erhoffte mir nicht allzu spät zuhause anzukommen, doch meine Hoffnungen wurden leider nicht erfüllt. Denn der Busfahrer des Busses von Puntarenas nach San José lenkte sein Vehikel im Schneckentempo und so kamen wir erst gegen 22.00 Uhr in Cartago an – zudem noch im Regen des Jahrhunderts. Wieder einmal durchnässt kam ich um 22.30 Uhr zuhause an, räumte kurz meine Dinge auf und ging danach schlafen.
Dennoch war ich total übermüdet am nächsten Morgen – das Wochenende in der Hitze des Strandes und die über fünfstündige Reise forderten ihren Preis. Nichtsdestotrotz ging es wieder zur Arbeit. Doch ich blicke positiv in die Zukunft, den mittlerweile verbleiben mir nur noch zwei Wochen im CEN – CINAI. Das halte ich noch durch. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig hart, aber um ehrlich zu sein, auch wenn die Kinder echt süss sind, wäre dies niemals ein Beruf für mich. Zu eintönig, zu perspektivenlos und zu mühsam mit den schlecht erzogenen Kleinen. Jedoch schätze ich es, dass ich diese Erfahrung machen und viele neue Menschen (Kinder, Eltern, Lehrerinnen, Köchinnen) kennenlernen durfte.
So, das wäre es wieder einmal von mir. Nächstes Wochenende geht es mit dem „Centro de Aprendizaje International“ (eine Unterorganisation von AFS Costa Rica) nach Tortuguero – einen Nationalpark in der Karibik. Darauf freue ich mich – und auf alles, was sonst noch kommen mag.
Demnach habe ich mir auch alle verbleibenden Wochenenden ziemlich verplant, sodass mir folglich wenig Zeit bleibt jemanden zu besuchen oder mich mit Freunden zu treffen. Doch ich glaube es ist gut so. Ich würde es nämlich bereuen heimzukehren, ohne dass ich viel vom Land gesehen hätte. Und, wenn ich rumreise, bin ich ja nie allein – ich verbringe dann auch Zeit mit der Familie oder Freunden.
Aber nun zu meinen Erlebnissen in den vergangenen drei Wochen…
Das zweite Maiwochenende verlief sehr ruhig und entspannt. Am Samstag war es wieder einmal an der Zeit das Haus zu putzen und mit meiner Schweizer Familie zu skypen. Danach blieb noch eine Menge Zeit zum entspannen und nichts tun. Ich genoss die Zeit zuhause mit meiner Familie – denn dies war gleichzeitig der letzte Tag, der nicht völlig verplant war mit Aktivitäten (so wie es die kommenden freien Tage sein würden). Am Abend schauten wir einen Film, redeten und waren einfach froh zusammen zu sein – hier und jetzt.
Am Sonntag ging es dann mit Ivonnes ganzer Familie (endlich mal!) auf den sozusagen vor der Haustüre liegenden Vulkan Irazú. Da Touristen viel teurer bezahlen wie Einheimische (fast das Vierfache!), wollten Alex und Ivonne mich als Costaricanerin rein schmuggeln. Leider aber flog ich aufgrund meiner blauen Augen und der weissen Haut, die der Parkwächter durch das Autofenster wahrnahm, sofort auf und durfte den vollen Preis für den Eintritt bezahlen. Naja, ein Versuch war es wert… Das Wetter auf dem Vulkan war hervorragend – keine Wolke stand am Himmel - so konnte man problemlos den Krater und die Lagune betrachten. Danach zeigte mir Mario verschiedene tropische Pflanzen, während wir im Nationalpark spazieren gingen. Ausserdem stieg ich auf den höchsten Punkt des Vulkans hinauf, der über 3000 Meter über Meer liegt – noch nie war ich so hoch oben! Anschliessend genossen wir den Ausblick, picknickten im Nationalpark und atmeten die frische Bergluft ein. Alles in allem: Ein perfekter Sonntag.
Die folgende Woche ging es wieder an die Arbeit – doch dieses Mal mit einer Veränderung, denn ich begann als mein persönliches Projekt deutsche Kinderlieder zu unterrichten. Am Anfang waren die Kinder reichlich verwirrt, da sie nicht verstanden, was ich sang. Doch sie lernten richtig schnell und sprachen die deutschen Wörter schon nach kurzer Zeit sehr gut aus. Mir persönlich fiel es auch leicht. Ich hatte keine Scham vorzusingen, obwohl ich ja wirklich keine gute Sängerin bin. Ausserdem macht es mir Spass täglich mit den Kinder zu singen und ihre Fortschritte zu sehen. So ist der Arbeitstag auch weniger eintönig und bietet mehr Abwechslung.
Insgesamt bringe ich den Kindern drei Lieder bei: Zwei deutsche („Finger Familie“ und „Wenn du fröhlich bist“) und ein schweizerdeutsches („Oh du goldigs Sünneli“), wobei sie weitaus mehr Probleme mit der Betonung der schweizerdeutschen Wörter haben. Aber am meisten Probleme haben wohl die Lehrerinnen, denn keine der beiden bringt es fertig die Wörter „Sünneli“ oder „schine“ einigermassen akzeptabel auszusprechen. Dies wiederum ist witzig für die Kleinen und mich und sorgt für eine lockere und spassige Atmosphäre im Klassenzimmer. Nebenbei glaube ich, dass es der Mehrheit der Kinder Spass macht die Lieder zu lernen und zu hören wie ich in meinem Land spreche. Natürlich hat es immer einige, die nicht mitmachen möchten bzw. nicht singen oder nicht still sitzen und zuhören können. Aber dies ist normal, denke ich.
Ausserdem ging ich jeden Tag sechs Kilometer joggen, um mich auf den „Perrocross“ des folgenden Sonntags vorzubereiten, wo ich zusammen mit Mia teilnehmen würde. Der Muskelkater war grauenhaft anfangs, doch glücklicherweise besserte der Schmerz stetig von Tag zu Tag.
Am Donnerstag passierte mir noch eine Dummheit: Ich verlor eine der DVD‘s des Fitnessprogrammes, das ich mache. Draussen. Im Regen. Klar, dass mir Alex sagte, dass er mir nie mehr eine leihen würde, bis ich nicht die andere wieder fände. Ich suchte und suchte, fand aber nichts. Und ich schämte mich endlos.
Am folgenden Wochenende besuchte ich am Samstag mit einer Tour des Unternehmens „Calypso“ die Insel Tortuga im Pazifik. Zusammen mit Mila, ihrem Ehemann Humberto (der normalerweise auch für „Calypso“ arbeitet) und Génesis - sowie mit etwa 30 Gringos und einigen Einheimischen - genoss ich die Reise im Katamaran und danach den Aufenthalt auf der Insel, die ein echter Traum ist. Ein wenig erinnert sie mich an eine dieser karibischen Insel aus „Fluch der Karibik“ – grüngesäumte Felsen, umgeben von türkisfarbenem Meer. Am Vormittag dann fuhren wir mit einem Boot von der Insel zu einem Felsen, wo wir Schnorcheln gehen konnten. Es war das erste Mal für mich und eine tolle Erfahrung, wenn ich auch eingestehen muss, dass Schnorcheln kein Sport für mich ist. Mit der Zeit begann mich nämlich die Taucherbrille inklusive Schnorchel echt zu drücken, was dazu führte, dass ich am Ende von Kopfschmerzen und leichter Übelkeit geplagt wurde. Nichtsdestotrotz konnte ich prächtige Fischschwärme unter Wasser beobachten, was richtig cool war. Nach einem vorzüglichen Vier – Gänge – Menu auf der Insel (da unter freiem Himmel zubereitet) kam ich noch in den Genuss eines Banana – Boat – Rides. Leider aber zogen bereits Wolken am Himmel auf und der Wellengang nahm zu – ein Gewitter war im Anmarsch. Deshalb kürzten wir nach einem Sturz vom Banana – Boat diese Aktivität ab (vor allem weil es auch zu gefährlich wäre, falls der Wellengang noch stärker zunehmen würde). Dafür blieb uns immerhin noch ein wenig mehr Zeit am Strand.
Plötzlich aber zogen Blitze über den Himmel, Donner dröhnten aus der Ferne und ein Platzregen fuhr auf uns nieder. Alle wussten: Es war an der Zeit aus dem Wasser zu kommen und den Rückzug anzutreten. Und so war es dann auch: Mitten im Gewitter wurden wir mit Booten zum Katamaran chauffiert, wo wir dann von einem schaukelnden Boot zum anderen wechseln mussten. Ein wenig Angst jagte mir das ganze Szenario schon ein (in einem kleinen Boot - im Sturm - auf dem Ozean!), doch auf der Rückfahrt beruhigte sich das Gewitter recht rasch. Der Nachteil war, dass ich völlig durchnässt (auch mein Rucksack und die Wechselkleider trieften) in Puntarenas ankam und so noch zwei Stunden frierend im Bus verbrachte, bis ich endlich in Cartago ankam. Trotz unvorhersehbarem Klimawechsel war die Reise ein Erfolg.
Am Sonntag startete ich dann bei traumhaften Wetter mit Mia am „Perrocross“. Wie immer war ich supernervös vor dem Rennen, vor allem, weil ich noch nie zuvor mit einem Hund gerannt bin. Das Rennen an sich war das strengste Rennen, das ich je gerannt bin. Da die Piste sich in den Bergen (nahe Cartago) befand und durch Wald und Fluss führte, war unglaubliches Durchhaltevermögen und Ausdauer von Nöten. Schon nach kurzer Zeit ging mir die Luft aus, was unter anderem auch daran lag, dass ich mir nicht gewöhnt bin auf 2200 Metern über Meer Ausdauersport zu betreiben. Ausserdem war Mia nicht so drauf aus schnell zu rennen und ich musste sie immer wieder motivieren – das macht ebenfalls müde. Kurz vor dem Ziel (nachdem Mia und ich den Fluss passiert hatten) kam eine Steigung von mehr als 15%, bei der ich einfach kurz innehalten und gehen musste – ich konnte einfach nicht mehr. Am Ende dann kamen wir ausgelaugt im Ziel an – auch Mia hatte keine Kraft mehr vorrätig, erholte sich aber recht schnell.
Unterdessen gab Alex Vollgas und gewann zum dritten Mal in Folge den „Perrocross“ – mit grossem Abstand. Mit Ivonne, Valentina, Gerardo und Angie genoss ich danach noch die Atmosphäre des Anlasses – eine riesige Menge an Leuten um die Piste versammelt und alle mit ihren Hunden: gross und klein, lang – und kurzhaarig, dünn und dick. Ist eine klasse Idee ein solcher Perrocross! Hat mir echt gefallen teilzunehmen.
Schlussendlich wohnten wir der Rangverkündigung bei. Alex (wie schon erwähnt) auf dem ersten Platz der Kategorie Männer, Valentina auf dem zweiten Platz der Kategorie Kinder und ich auf dem fünften Platz der Kategorie Frauen. Objektiv betrachtet ist es eine hervorragende Leistung den fünften Platz unter 103 Teilnehmerinnen zu erreichen (vor allem, weil ich zum ersten Mal an einem solchen Event teilnahm), dennoch war ich enttäuscht so knapp das Podest verpasst zu haben. Auf der Rückfahrt machte ich meinem Ärger Luft, was nur dazu führte, dass sich Alex und Gerardo über mich lustig zu machen begannen. Ich weiss, dass meine Reaktion lächerlich war, aber ich konnte mich in dem Moment einfach nicht bremsen, da ich ehrlich gesagt eine echt schlechte Verliererin bin.
Nachdem ich geduscht hatte, ging es mir schon ein wenig besser (auch wenn ich mich noch immer ärgerte) und wir fuhren zu Xiomaras Haus, wo Ivonnes ganze Familie sowie Angie, Gerardo und Valentina zum Grillieren kamen. Das Fleisch war ausgezeichnet und ich genoss das Zusammensein in der Familie – trotz meiner Niederlage.
Ach ja: Alex gestand mir, dass er die Fitness – DVD bereits am Donnerstag wieder gefunden hätte. Ich schämte mich in Grund und Boden und fragte mich abermals wie das passieren konnte. Wunderlicherweise war er aber nicht wütend, nein. Er sagte mir, dass er mir von nun an drei Mal die Woche die DVD’s leihen würde – nämlich die Tage, an denen ich nicht Vertikaltuchkurs habe. Und am Wochenende sollte ich entspannen. Ich sei nämlich schon wieder „besessen“ vom Krafttraining geworden und er möchte dies hiermit bremsen. Dieses Abkommen war für mich in Wirklichkeit echt okay und ich liess mich auf den Deal ein. Besser als gar keine DVD’s mehr!
Die folgende Woche besuchte ich unter anderem Alex‘ Mutter Eloisa, die mir schon ans Herz gewachsen ist. Eine so starke, liebevolle, fürsorgliche und gutmütige Person ist echt unersetzbar. Es tut mir gut mit ihr zu sprechen, auch bezüglich Alex, denn da sie seine Mutter ist, versteht sie ihn besser wie jeder andere und kann mir hilfreiche Ratschläge geben (wie ich mich verhalten sollte, was ich nicht so ernst nehmen sollte etc.).
Das letzte Wochenende fuhr ich zusammen mit meiner Kontaktperson Diego, seiner besten Freundin Tatiana und der ungarischen Austauschschülerin Zsófi nach Malpaís (Halbinsel Nicoya, Puntarenas) an den Strand. Da aber die Europäerinnen zu spät kamen, verpassten wir den direkten Bus freitags um 14.00 Uhr in San José und mussten so zuerst mit dem Bus nach Puntarenas fahren, dann auf die Fähre nach Paquero wechseln, von dort mit dem Bus nach Cobano und danach nochmal in einen Bus nach Santa Teresa umsteigen. Wir hatten aber leider Pech und verpassten die Fähre um 17.00 Uhr abermals, was dazu führte, dass wir erst um 20.00 Uhr wieder eine Fähre hatten, und uns schlussendlich dazu zwang in Paquero zu übernachten – denn nach 22.00 Uhr fuhren keine Busse mehr. Dies war aber nicht weiter schlimm und wir erreichten am Samstag kurz vor Mittag unser Hotel in Santa Teresa (weil wir knapp eineinhalb Stunden auf einen Bus in Paquero warten mussten).
Den Nachmittag verbrachten wir am Strand, der einfach wunderprächtig ist – genauso wie man sich einen tropischen Strand vorstellt. Palmen mit Hängematten, eine Strandbar, feiner Sand und das klarblaue Meer, das bis zum Horizont reicht. Das einzige Negative waren die hohen Wellen, die mich einige Male mitnahmen und auf den Strand zurückschleuderten – bis ich lernte unter ihnen durch zu tauchen, bevor sie sich brachen. Ich schoss eine Menge Fotos, kletterte auf einen Stein, der von Wellen umgeben und von einer Horde Krebse besiedelt war (die aber glücklicherweise vor mir flohen) und nützte ein Vertikaltuch, das an einer Palme befestigt war, um ein wenig Akrobatik zu praktizieren. Am Abend kochten wir und besuchten danach noch eine Bar, was aber nicht allzu spannend war, da es kaum Leute und nur prähistorische Latinomusik hatte.
Am Sonntag ging es abermals an den Strand, bevor wir dann auch schon die Rückreise antraten. Die Hitze war unerträglich, vor allem, weil uns nun kein Meer mehr zum Abkühlen zur Verfügung stand. Wir speisten in Cobano und nahmen dieses Mal den direkten Bus nach San José. Auf der Fähre konnten wir einen der schönsten Sonnuntergänge auf dem Pazifik beobachten – einfach „precioso“. So was Schönes bekommt man nur selten zu Gesicht! Ich erhoffte mir nicht allzu spät zuhause anzukommen, doch meine Hoffnungen wurden leider nicht erfüllt. Denn der Busfahrer des Busses von Puntarenas nach San José lenkte sein Vehikel im Schneckentempo und so kamen wir erst gegen 22.00 Uhr in Cartago an – zudem noch im Regen des Jahrhunderts. Wieder einmal durchnässt kam ich um 22.30 Uhr zuhause an, räumte kurz meine Dinge auf und ging danach schlafen.
Dennoch war ich total übermüdet am nächsten Morgen – das Wochenende in der Hitze des Strandes und die über fünfstündige Reise forderten ihren Preis. Nichtsdestotrotz ging es wieder zur Arbeit. Doch ich blicke positiv in die Zukunft, den mittlerweile verbleiben mir nur noch zwei Wochen im CEN – CINAI. Das halte ich noch durch. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig hart, aber um ehrlich zu sein, auch wenn die Kinder echt süss sind, wäre dies niemals ein Beruf für mich. Zu eintönig, zu perspektivenlos und zu mühsam mit den schlecht erzogenen Kleinen. Jedoch schätze ich es, dass ich diese Erfahrung machen und viele neue Menschen (Kinder, Eltern, Lehrerinnen, Köchinnen) kennenlernen durfte.
So, das wäre es wieder einmal von mir. Nächstes Wochenende geht es mit dem „Centro de Aprendizaje International“ (eine Unterorganisation von AFS Costa Rica) nach Tortuguero – einen Nationalpark in der Karibik. Darauf freue ich mich – und auf alles, was sonst noch kommen mag.
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| Vulkan Irazú |
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| Mit Ivonne & Alex |
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| Mit Natalia & Alexandra im Nationalpark |
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| Isla Tortuga |
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| Am Strand |
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| Perrocross |
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| Mit Mia |
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| Akrobatik in Malpaís |
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| Auf dem Krebs - Felsen |
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| Sonnenuntergang |
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| Mit Tatiana, Zsófi & Diego |


















