Mittwoch, 27. Mai 2015

Time flies


8. Mai – 27. Mai 2015
Meine Zeit hier in Costa Rica neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Mittlerweile bleibt mir nur noch ein Monat in diesem wundervollen Land - mit diesen wundervollen Menschen. Es fällt mir oftmals schwer den Moment zu geniessen und nicht daran zu denken, dass ich bald gehen muss. Doch genau dies muss ich jetzt tun: Jeden Moment auskosten und nicht an morgen denken.
Demnach habe ich mir auch alle verbleibenden Wochenenden ziemlich verplant, sodass mir folglich wenig Zeit bleibt jemanden zu besuchen oder mich mit Freunden zu treffen. Doch ich glaube es ist gut so. Ich würde es nämlich bereuen heimzukehren, ohne dass ich viel vom Land gesehen hätte. Und, wenn ich rumreise, bin ich ja nie allein – ich verbringe dann auch Zeit mit der Familie oder Freunden.
Aber nun zu meinen Erlebnissen in den vergangenen drei Wochen…
Das zweite Maiwochenende verlief  sehr ruhig und entspannt. Am Samstag war es wieder einmal an der Zeit das Haus zu putzen und mit meiner Schweizer Familie zu skypen. Danach blieb noch eine Menge Zeit zum entspannen und nichts tun. Ich genoss die Zeit zuhause mit meiner Familie – denn dies war gleichzeitig der letzte Tag, der nicht völlig verplant war mit Aktivitäten (so wie es die kommenden freien Tage sein würden). Am Abend schauten wir einen Film, redeten und waren einfach froh zusammen zu sein – hier und jetzt.
Am Sonntag ging es dann mit Ivonnes ganzer Familie (endlich mal!) auf den sozusagen vor der Haustüre liegenden Vulkan Irazú. Da Touristen viel teurer bezahlen wie Einheimische (fast das Vierfache!), wollten Alex und Ivonne mich als Costaricanerin rein schmuggeln. Leider aber flog ich aufgrund meiner blauen Augen und der weissen Haut, die der Parkwächter durch das Autofenster wahrnahm, sofort auf und durfte den vollen Preis für den Eintritt bezahlen. Naja, ein Versuch war es wert… Das Wetter auf dem Vulkan war hervorragend – keine Wolke stand am Himmel -  so konnte man problemlos den Krater und die Lagune betrachten. Danach zeigte mir Mario verschiedene tropische Pflanzen, während wir im Nationalpark spazieren gingen. Ausserdem stieg ich auf den höchsten Punkt des Vulkans hinauf, der über 3000 Meter über Meer liegt – noch nie war ich so hoch oben! Anschliessend genossen wir den Ausblick, picknickten im Nationalpark und atmeten die frische Bergluft ein. Alles in allem: Ein perfekter Sonntag.
Die folgende Woche ging es wieder an die Arbeit – doch dieses Mal mit einer Veränderung, denn ich begann als mein persönliches Projekt deutsche Kinderlieder zu unterrichten. Am Anfang waren die Kinder reichlich verwirrt, da sie nicht verstanden, was ich sang. Doch sie lernten richtig schnell und sprachen die deutschen Wörter schon nach kurzer Zeit sehr gut aus. Mir persönlich fiel es auch leicht. Ich hatte keine Scham vorzusingen, obwohl ich ja wirklich keine gute Sängerin bin. Ausserdem macht es mir Spass täglich mit den Kinder zu singen und ihre Fortschritte zu sehen. So ist der Arbeitstag auch weniger eintönig und bietet mehr Abwechslung.
Insgesamt bringe ich den Kindern drei Lieder bei: Zwei deutsche („Finger Familie“ und „Wenn du fröhlich bist“) und ein schweizerdeutsches („Oh du goldigs Sünneli“), wobei sie weitaus mehr Probleme mit der Betonung der schweizerdeutschen Wörter haben. Aber am meisten Probleme haben wohl die Lehrerinnen, denn keine der beiden bringt es fertig die Wörter „Sünneli“ oder „schine“ einigermassen akzeptabel auszusprechen. Dies wiederum ist witzig für die Kleinen und mich und sorgt für eine lockere und spassige Atmosphäre im Klassenzimmer. Nebenbei glaube ich, dass es der Mehrheit der Kinder Spass macht die Lieder zu lernen und zu hören wie ich in meinem Land spreche. Natürlich hat es immer einige, die nicht mitmachen möchten bzw. nicht singen oder nicht still sitzen und zuhören können. Aber dies ist normal, denke ich.
Ausserdem ging ich jeden Tag sechs Kilometer joggen, um mich auf den „Perrocross“ des folgenden Sonntags vorzubereiten, wo ich zusammen mit Mia teilnehmen würde. Der Muskelkater war grauenhaft anfangs, doch glücklicherweise besserte der Schmerz stetig von Tag zu Tag.
Am Donnerstag passierte mir noch eine Dummheit: Ich verlor eine der DVD‘s des Fitnessprogrammes, das ich mache. Draussen. Im Regen. Klar, dass mir Alex sagte, dass er mir nie mehr eine leihen würde, bis ich nicht die andere wieder fände. Ich suchte und suchte, fand aber nichts. Und ich schämte mich endlos.
Am folgenden Wochenende besuchte ich am Samstag mit einer Tour des Unternehmens „Calypso“ die Insel Tortuga im Pazifik. Zusammen mit Mila, ihrem Ehemann Humberto (der normalerweise auch für „Calypso“ arbeitet) und Génesis - sowie mit etwa 30 Gringos und einigen Einheimischen - genoss ich die Reise im Katamaran und danach den Aufenthalt auf der Insel, die ein echter Traum ist. Ein wenig erinnert sie mich an eine dieser karibischen Insel aus „Fluch der Karibik“ – grüngesäumte Felsen, umgeben von türkisfarbenem Meer. Am Vormittag dann fuhren wir mit einem Boot von der Insel zu einem Felsen, wo wir Schnorcheln gehen konnten. Es war das erste Mal für mich und eine tolle Erfahrung, wenn ich auch eingestehen muss, dass Schnorcheln kein Sport für mich ist. Mit der Zeit begann mich nämlich die Taucherbrille inklusive Schnorchel echt zu drücken, was dazu führte, dass ich am Ende von Kopfschmerzen und leichter Übelkeit geplagt wurde. Nichtsdestotrotz konnte ich prächtige Fischschwärme unter Wasser beobachten, was richtig cool war. Nach einem vorzüglichen Vier – Gänge – Menu auf der Insel (da unter freiem Himmel zubereitet) kam ich noch in den Genuss eines Banana – Boat – Rides. Leider aber zogen bereits Wolken am Himmel auf und der Wellengang nahm zu – ein Gewitter war im Anmarsch. Deshalb kürzten wir nach einem Sturz vom Banana – Boat diese Aktivität ab (vor allem weil es auch zu gefährlich wäre, falls der Wellengang noch stärker zunehmen würde). Dafür blieb uns immerhin noch ein wenig mehr Zeit am Strand.
Plötzlich aber zogen Blitze über den Himmel, Donner dröhnten aus der Ferne und ein Platzregen fuhr auf uns nieder. Alle wussten: Es war an der Zeit aus dem Wasser zu kommen und den Rückzug anzutreten. Und so war es dann auch: Mitten im Gewitter wurden wir mit Booten zum Katamaran chauffiert, wo wir dann von einem schaukelnden Boot zum anderen wechseln mussten. Ein wenig Angst jagte mir das ganze Szenario schon ein (in einem kleinen Boot - im Sturm - auf dem Ozean!), doch auf der Rückfahrt beruhigte sich das Gewitter recht rasch. Der Nachteil war, dass ich völlig durchnässt (auch mein Rucksack und die Wechselkleider trieften) in Puntarenas ankam und so noch zwei Stunden frierend im Bus verbrachte, bis ich endlich in Cartago ankam. Trotz unvorhersehbarem Klimawechsel war die Reise ein Erfolg.
Am  Sonntag startete ich dann bei traumhaften Wetter mit Mia am „Perrocross“. Wie immer war ich supernervös vor dem Rennen, vor allem, weil ich noch nie zuvor mit einem Hund gerannt bin. Das Rennen an sich war das strengste Rennen, das ich je gerannt bin. Da die Piste sich in den Bergen (nahe Cartago) befand und durch Wald und Fluss führte, war unglaubliches Durchhaltevermögen und Ausdauer von Nöten. Schon nach kurzer Zeit ging mir die Luft aus, was unter anderem auch daran lag, dass ich mir nicht gewöhnt bin auf 2200 Metern über Meer Ausdauersport zu betreiben. Ausserdem war Mia nicht so drauf aus schnell zu rennen und ich musste sie immer wieder motivieren – das macht ebenfalls müde. Kurz vor dem Ziel (nachdem Mia und ich den Fluss passiert hatten) kam eine Steigung von mehr als 15%, bei der ich einfach kurz innehalten und gehen musste – ich konnte einfach nicht mehr. Am Ende dann kamen wir ausgelaugt im Ziel an – auch Mia hatte keine Kraft mehr vorrätig, erholte sich aber recht schnell.
Unterdessen gab Alex Vollgas und gewann zum dritten Mal in Folge den „Perrocross“ – mit grossem Abstand. Mit Ivonne, Valentina, Gerardo und Angie genoss ich danach noch die Atmosphäre des Anlasses – eine riesige Menge an Leuten um die Piste versammelt und alle mit ihren Hunden: gross und klein, lang – und kurzhaarig, dünn und dick. Ist eine klasse Idee ein solcher Perrocross! Hat mir echt gefallen teilzunehmen.
Schlussendlich wohnten wir der Rangverkündigung bei. Alex (wie schon erwähnt) auf dem ersten Platz der Kategorie Männer, Valentina auf dem zweiten Platz der Kategorie Kinder und ich auf dem fünften Platz der Kategorie Frauen. Objektiv betrachtet ist es eine hervorragende Leistung den fünften Platz unter 103 Teilnehmerinnen zu erreichen (vor allem, weil ich zum ersten Mal an einem solchen Event teilnahm), dennoch war ich enttäuscht so knapp das Podest verpasst zu haben. Auf der Rückfahrt machte ich meinem Ärger Luft, was nur dazu führte, dass sich Alex und Gerardo über mich lustig zu machen begannen. Ich weiss, dass meine Reaktion lächerlich war, aber ich konnte mich in dem Moment einfach nicht bremsen, da ich ehrlich gesagt eine echt schlechte Verliererin bin.
Nachdem ich geduscht hatte, ging es mir schon ein wenig besser (auch wenn ich mich noch immer ärgerte) und wir fuhren zu Xiomaras Haus, wo Ivonnes ganze Familie sowie Angie, Gerardo und Valentina zum Grillieren kamen. Das Fleisch war ausgezeichnet und ich genoss das Zusammensein in der Familie – trotz meiner Niederlage.
Ach ja: Alex gestand mir, dass er die Fitness – DVD bereits am Donnerstag wieder gefunden hätte. Ich schämte mich in Grund und Boden und fragte mich abermals wie das passieren konnte. Wunderlicherweise war er aber nicht wütend, nein. Er sagte mir, dass er mir von nun an drei Mal die Woche die DVD’s leihen würde – nämlich die Tage, an denen ich nicht Vertikaltuchkurs habe. Und am Wochenende sollte ich entspannen. Ich sei nämlich schon wieder „besessen“ vom Krafttraining geworden und er möchte dies hiermit bremsen. Dieses Abkommen war für mich in Wirklichkeit echt okay und ich liess mich auf den Deal ein. Besser als gar keine DVD’s mehr!
Die folgende Woche besuchte ich unter anderem Alex‘ Mutter Eloisa, die mir schon ans Herz gewachsen ist. Eine so starke, liebevolle, fürsorgliche und gutmütige Person ist echt unersetzbar. Es tut mir gut mit ihr zu sprechen, auch bezüglich Alex, denn da sie seine Mutter ist, versteht sie ihn besser wie jeder andere und kann mir hilfreiche Ratschläge geben (wie ich mich verhalten sollte, was ich nicht so ernst nehmen sollte etc.).
Das letzte Wochenende fuhr ich zusammen mit meiner Kontaktperson Diego, seiner besten Freundin Tatiana und der ungarischen Austauschschülerin Zsófi nach Malpa
ís (Halbinsel Nicoya, Puntarenas) an den Strand. Da aber die Europäerinnen zu spät kamen, verpassten wir den direkten Bus freitags um 14.00 Uhr in San José und mussten so zuerst mit dem Bus nach Puntarenas fahren, dann auf die Fähre nach Paquero wechseln, von dort mit dem Bus nach Cobano und danach nochmal in einen Bus nach Santa Teresa umsteigen. Wir hatten aber leider Pech und verpassten die Fähre um 17.00 Uhr abermals, was dazu führte, dass wir erst um 20.00 Uhr wieder eine Fähre hatten, und uns schlussendlich dazu zwang in Paquero zu übernachten – denn nach 22.00 Uhr fuhren keine Busse mehr. Dies war aber nicht weiter schlimm und wir erreichten am Samstag kurz vor Mittag unser Hotel in Santa Teresa (weil wir knapp eineinhalb Stunden auf einen Bus in Paquero warten mussten).
Den Nachmittag verbrachten wir am Strand, der einfach wunderprächtig ist – genauso wie man sich einen tropischen Strand vorstellt. Palmen mit Hängematten, eine Strandbar, feiner Sand und das klarblaue Meer, das bis zum Horizont reicht. Das einzige Negative waren die hohen Wellen, die mich einige Male mitnahmen und auf den Strand zurückschleuderten – bis ich lernte unter ihnen durch zu tauchen, bevor sie sich brachen. Ich schoss eine Menge Fotos, kletterte auf einen Stein, der von Wellen umgeben und von einer Horde Krebse besiedelt war (die aber glücklicherweise vor mir flohen) und nützte ein Vertikaltuch, das an einer Palme befestigt war, um ein wenig Akrobatik zu praktizieren. Am Abend kochten wir und besuchten danach noch eine Bar, was aber nicht allzu spannend war, da es kaum Leute und nur prähistorische Latinomusik hatte.
Am Sonntag ging es abermals an den Strand, bevor wir dann auch schon die Rückreise antraten. Die Hitze war unerträglich, vor allem, weil uns nun kein Meer mehr zum Abkühlen zur Verfügung stand. Wir speisten in Cobano und nahmen dieses Mal den direkten Bus nach San José. Auf der Fähre konnten wir einen der  schönsten Sonnuntergänge auf dem Pazifik beobachten – einfach „precioso“. So was Schönes bekommt man nur selten zu Gesicht! Ich erhoffte mir nicht allzu spät zuhause anzukommen, doch meine Hoffnungen wurden leider nicht erfüllt. Denn der Busfahrer des Busses von Puntarenas nach San José lenkte sein Vehikel im Schneckentempo und so kamen wir erst gegen 22.00 Uhr in Cartago an – zudem noch im Regen des Jahrhunderts. Wieder einmal durchnässt kam ich um 22.30 Uhr zuhause an, räumte kurz meine Dinge auf und ging danach schlafen.
Dennoch war ich total übermüdet am nächsten Morgen – das Wochenende in der Hitze des Strandes und die über fünfstündige Reise forderten ihren Preis. Nichtsdestotrotz ging es wieder zur Arbeit. Doch ich blicke positiv in die Zukunft, den mittlerweile verbleiben mir nur noch zwei Wochen im CEN – CINAI. Das halte ich noch durch. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig hart, aber um ehrlich zu sein, auch wenn die Kinder echt süss sind, wäre dies niemals ein Beruf für mich. Zu eintönig, zu perspektivenlos und zu mühsam mit den schlecht erzogenen Kleinen. Jedoch schätze ich es, dass ich diese Erfahrung machen und viele neue Menschen (Kinder, Eltern, Lehrerinnen, Köchinnen) kennenlernen durfte.
So, das wäre es wieder einmal von mir. Nächstes Wochenende geht es mit dem „Centro de Aprendizaje International“ (eine Unterorganisation von AFS Costa Rica) nach Tortuguero – einen Nationalpark in der Karibik. Darauf freue ich mich – und auf alles, was sonst noch kommen mag.

 


Vulkan Irazú

Mit Ivonne & Alex

Mit Natalia & Alexandra im Nationalpark

Isla Tortuga

Am Strand

Perrocross

Mit Mia

Akrobatik in Malpaís

Auf dem Krebs - Felsen


Sonnenuntergang

Mit Tatiana, Zsófi & Diego
 

Mittwoch, 6. Mai 2015

Von Nicaragua bis zur Karibik

9. April - 6. Mai

Hallo! Da bin ich wieder. Es ist schon etwas länger her seit meinem letzten Post und darum gibt es einiges aufzuholen. Legen wir also gleich los!
Das zweite Wochenende im April verbrachte ich mit nichts tun. Alex und Ivonne waren den ganzen Tag damit beschäftigt ihr neues Auto abzuholen, zu bezahlen etc., dass ich alleine zuhause rumsass. Ehrlich gesagt fühlte ich mich vernachlässigt und ja, alleine - und spürte wie ich in den Tag verschwendete. In dem Moment wurde mir auch klar, dass ich nicht mal mehr drei Monate hier sein würde und noch nicht all zu viel vom Land gesehen hatte - unteranderem, weil Alex und Ivonne mir noch kaum was gezeigt hatten. Ich wusste, ich musste etwas tun. Nämlich: Mich selber organisieren. Am darauffolgenden Tag, nachdem wir vom Mittagessen im Hause von Alex' Schwester heimgekehrt waren, sprach ich meine Gasteltern auf das Thema an. Ich fürchtete mich davor, aber das Gespräch entwickelte sich sehr positiv und all meine negativen Emotionen vom Tag zuvor verflogen.
Sie legten mir dar, dass sie mir gerne mehr zeigen würden, aber dass es einfach nicht möglich war - einerseits aus Zeitgründen (da beide 100% arbeiteten) und andererseits aus Kostengründen. Das verstand ich natürlich. Dennoch versprachen sie mir, dass sie mir dreimal einen entfernten Ort zeigen werden - ganz sicher das letzte Wochenende am Strand in der Karibik, den Vulkan Arenal und dann noch etwas nach meiner Wahl. Ansonsten müsste ich mich mit anderen Voluntarios oder Freunden aus Cartago arrangieren. Es gäbe da nämlich einen Tagestrip zur Isla de Tortuga im Pazifik, der ganz toll sein sollte. Ausserdem organisiert das Komité von Cartago eine dreitägige Reise zum Nationalpark Tortuguero in der Karibik. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werde ich beidem beiwohnen - so sehe ich zwei der schönsten Orte Costa Ricas - auch wenn meine Familie nicht dabei sein wird.
Zudem begann ich dann auch gleich schon am folgenden Tag mich für die letzten zwei Wochen, in denen ich Ferien haben werde, mit Freundinnen von AFS zu organisieren - auf keinen Fall möchte ich einen weiteren Tag meines Aufenthaltes verschwenden.

Am darauffolgenden Mittwoch ging es dann auch schon in den "Mid - Stay" mit AFS. Alle, die ein halbes Jahr bleiben würden, trafen sich so am Morgen früh im Büro von AFS in San José (einige mit einem üblen Kater, weil sie am Vorabend feiern waren). Der erste Tag sah so aus, dass wir unsere Erfahrungen präsentierten und zum wiederholten Male über kulturelle Differenzen bzw. Probleme diskutierten. Es war nicht superspannend, aber zumindest sah ich viele meiner Freunde wieder und konnte mich mit ihnen unterhalten.
Am Donnerstag ging es dann endlich los nach Nicaragua. An die zehn Stunden fuhren wir im Bus (mit kleinen Pipistopps und einem längeren Immigrationsaufenthalt an der Grenze) nach Granada - eine wunderschöne Stadt im spanischen Kolonialstil. Eine Hitze wie noch nie zuvor gefühlt und ein luxuriöses Hotel mit Pool sowie klimatisierten Zimmern erwartete uns. Den ersten Abend verbrachten wir durch die Stadt schlendernd und in einem guten Restaurant essend - alles war echt nach unseren Wünschen. Die einen verbrachten dann noch die halbe Nacht draussen (mir Alkohol natürlich), während ich mein Bett bevorzugte.
Am Freitag machten wir zuerst eine Bootstour auf dem Nicaraguasee, der voller kleiner bewohnter Inseln und exotischer Tieren ist. Mich erinnerte es ein wenig an die Everglades in Florida, die ich vor beinahe drei Jahren besuchte. Danach ging es weiter in die Hauptstadt Managua, wo wir den kleinen zugehörigen See sowie den grossen Hafen am bereits bekannten Nicaraguasee besichtigten. Die Hitze war echt drückend und es wehte leider nur ein leichter Wind am Hafen. Dennoch nutzen wir die Zeit, um viele schöne Erinnerungsfotos zu schiessen. Am Abend waren wir wieder zurück in Granada, wo wir eine klasse Kutschenfahrt in Pferdekutschen geniessen durften und dann alle zusammen einen nicaraguensischen Club von innen zu sehen bekamen. Für viele war dies der Höhepunkt der Reise, aber mich beeindruckte das ganze sichtlich wenig - was natürlich darauf zurückzuführen war, dass mir der Lärm, das Gedränge und der Alkohol in Clubs wenig zusagt.
Am Samstag bestiegen wir dann den nahgelegenen Vulkan Masaya. Schwitzend wie ein Haufen Schweine kamen wir oben an, jedoch wurden wir mit einer atemberaubenden Aussicht auf die karge Berglandschaft belohnt. Die Fotokameras blitzen nur so, versteht sich. Anschliessend ging es weiter auf einen typischen Markt - ein Labyrinth voller rotzsbilliger Ware. Ich kaufte mir kulinarische Spezialitäten, Schmuck und ja... Schuhe. Als Abschluss durften wir uns in die Fluten des Masayalagune werfen und einfach mal entspannen. Zudem hatte es Kajaks zur Verfügung, mit denen wir auf der Lagune rumkurven durften. Alles in allem: Paradisisch. Am Abend genossen wir ein weiters vorzügliches Abendessen in Granada und verbrachten den Rest der Zeit im Hotel - da uns aufgrund Lärmbelästigung verboten wurde nochmals in den Ausgang zu gehen. Was mich im Vergleich zum Rest der Truppe - logischerweise - nicht im geringsten störte.
Am Sonntag ging es auch schon wieder heimwärts. Jedoch machten wir frühmorgens einen zweistündigen Halt am Strand San Juan del Sur, was den Erfolg der Reise noch komplettierte. Müde, aber unendlich zufrieden, kam ich spätabends in Cartago an. Ich habe die Reise extrem genossen - auch, weil ich viele meiner Freunde wiedergesehen und noch besser kennengelernt habe.
Unter der Woche dann begann die Lehrerin Isabel, die sich den Arm gebrochen hatte, wieder zu arbeiten - und ich mit ihr. Obwohl ich anfangs traurig war, dass Stephanie nicht mehr im CEN - CINAI arbeitet (sie ist wieder ins CINAI in Cartago Centro zurückgekehrt), geniesse ich den Unterricht mit Isabel. Sie ist bereits etwas älter (und hat darum echt viel Erfahrung mit den Kleinen), hat sieben eigene Kinder und ist einfach eine witzige Person, mit der die Zeit schneller vergeht.
Am folgenden Wochenende begleitete ich Alex und Ivonne nach Puerto Viejo in der Karibik, wo sie einen "Gringo - Freund" mit seinen Hunden abholten, um sie nach Heredia zu bringen (in eine Art Hundehotel). Dies, weil Randy (so heisst der Freund übrigens) alle sechs Monate zurück in die Staaten reisen muss und niemanden hat, der sich um seine Hunde kümmert. Wir fuhren bereits um vier Uhr morgens los, wobei ich um zwei Uhr aufstand, um vorher noch Sport zu machen. Das Resultat davon: Ich schlief fast den ganzen Hinweg. Als wir ankamen, frühstückten wir und genossen einen Moment den Strand, obwohl es bewölkt war - dann holten wir auch schon Randy (sowie die Hunde) ab und machten uns auf den Rückweg. Wie soll ich die Heimfahrt nun beschreiben? Witzig? Verrückt? Chaotisch? Ein wenig von allem. Denn Randy als Person ist das grösste Chaos, das ich je gesehen habe. Er lebt alleine in den Bergen bei Puerto Viejo, ernährt sich nur von selbst angebauten Früchten, Gemüse (und Reis natürlich), duscht sich nicht, hat weder Fernseher noch Licht in seiner Hütte, weil er ohne Strom lebt und ist superhippiemässig in seinen Überzeugungen. Beispielsweise hatte er einen riesigen Sack quadratischer Bananen (eigentlich Kochbananen) bei sich - als Nahrung für die Hunde. Aber auch er ass welche auf der vierstündigen Fahrt und warf danach die Schale aus dem Fenster. Anmerkung: Nicht auf der Landstrasse oder im Regenwald, nein, in Heredia Centro. Oder er bestand drauf seinen Rucksack vorne bei sich zu haben, weil sein Essen darin verstaut war. Obwohl der Rucksack richtig dreckig und voller Ameisen war. Oder er zog sich die dreckigen Socken und Schuhe aus und verteilte sie quer über den Rücksitz. Die wirkliche Spitze aber war, als wir bereits wieder zuhause ankamen und Randy bei einem Freund in Cartago abgesetzt hatten. Denn, als ich aussteigen wollte, fand ich ein offenes Glas voller Reis unter dem Sitz. Und logischerweise war das Glas schon zur Hälfte leer, weil der Reis kreuz und quer unter dem Sitz verteilt war. Ja, die Reise war witzig, verrückt und chaotisch. Noch immer reissen wir zuhause Witze darüber wie unmöglich das ganze Szenario gewesen war. Und mir wurde so auch klar, dass ich niemals mit jemandem wie Randy zusammen leben könnte - so katastrophal chaotisch war nicht mal ich. Krass müde von der Reise (und dem vielen Lachen) gingen wir so bereits um 18.00 Uhr schlafen.
Am darauffolgenden Tag entspannten wir, putzen das Haus (meine Lieblingsaktivität...), nahmen an einem Familienpicknick vom AFS Komité Cartago teil und besuchten die Mama von Alex. Ich freute mich die Familie meiner Freundin Franzi kennenzulernen - genau so wie auch Alex' Mutter Eloisa wieder mal zu sehen. Die Stimmung war locker, alles war gut - ein toller Sonntag in Cartago.
Hier muss ich noch anmerken, dass sich die Beziehung zwischen meinen Gasteltern und mir seit diesem Wochenende nochmals stark verbessert hat. Wir verstehen und kennen uns schon unglaublich gut - das fühlt sich einfach schön an.
Ausserdem fühle ich mich gut umsorgt bei ihnen, auch wenn ich nicht immer zufrieden bin mit dem, was sie tun oder sagen. Beispielsweise hat mir Alex letzte Woche die Fitnessdisks weggenommen, weil er Angst hatte, dass ich "abhängig" werde. Dies weil ich tatsächlich um 2.00 Uhr aufgestanden war, um jene Kraftübungen zu machen. Er meinte, wenn ich eine Woche ohne Sport aushielte und so meine "Besessenheit" kontrollieren lerne würde, bekäme ich sie wieder zurück. Und genau so war es auch. Obwohl ich noch immer bestreiten würde, dass ich besessen bin - es ist mir einfach sehr wichtig, dass ich mich sportlich betätige. 
Das letzte Wochenende war ein weiterer Erfolg. Nachdem ich einen weiteren Tag mit Magenproblemen zuhause geblieben war (das Abendessen aus Milch und Bananen ist mir nicht gut bekommen) reiste ich zusammen mit Angie, Gerardo, Valentina, Ivonne und Alex für drei Tage zum Vulkan Arenal. Wir übernachteten in einem Hotel mit direktem Blick auf den Vulkan - zudem mir Pool und heissen Thermalquellen zum baden.
Am Freitag (1.Mai und somit Feiertag) besuchten wir eine Art landwirtschaftliche Messe, kauften Souvenirs (endlich fand ich Postkarten!) und entspannten im Hotel.
Am Samstag dann unternahmen wir eine Bootsfahrt auf dem Arenalsee, welche einfach nur traumhaft schön war. Wir konnten die besten Bilder vom Vulkan schiessen (danke Wetter!) und die Natur geniessen. Es war echt ein Traum. Danach besuchten wir noch den Nationalpark des Vulkans und genossen erneut den Pool und die Thermalquellen im Hotel. Gemütlich sassen wir abends zusammen und ich fühlte mich einfach toll - so richtig Ferienstimmung kam auf.
Am Sonntag blieb noch ein wenig Zeit uns zu sonnen - das Ambiente zu geniessen - und dann ging es auch schon wieder zurück nach Cartago. Alex und ich holten uns noch einen leichten Sonnenbrand - ein kleines, unerwünschtes Souvenir, das wir mitnahmen. Auf der Heimreise spassten wir viel und hatten es superlustig im Auto. Meiner Meinung nach hätte nicht besser sein können!
Nun hat leider wieder der normale Alltag begonnen. Aber ich bin glücklich. Ich versuche jeden Moment auszukosten - zu geniessen. Mir bleiben noch knapp zwei Monate hier und ich will so viel möglich erleben und alles in mir aufnehmen - so dass diese Zeit unvergesslich für mich bleibt.

San Juan del Sur
 
Vulkan Masaya

Granada

AFS - Semester - Gruppe

 

Puerto Viejo
Vulkan Arenal


Unser Hotel

Family on tour


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