Mittwoch, 18. März 2015

Erste Probleme - erste Lösungen

26. Februar - 18. März 2015

Wie die Zeit läuft - schon beinahe drei Wochen sind seit meinem letzten Post vergangen! Noch immer bin ich fasziniert von meinem Gastland und möchte so viel wie möglich erleben und sehen, was sich in den letzten Wochen schon abzuzeichnen begann.
Durch die Woche lief meist nicht so viel - ich arbeitete täglich acht Stunden und entspannte mich abends zuhause mit meiner Familie. Die Arbeit gefällt mir immer noch, aber leider häufen sich viele Nachmittage an, an denen keine Kinder kommen und die Lehrerin den Unterricht plant. Für mich gibt es dann nicht wirklich viel zu tun, abgesehen von Schulzimmern putzen und aufräumen, was auf die Dauer echt öde ist.
Ich habe bereits meine Kontaktperson Diego darüber informiert und er ist nun dabei Alternativen (dass ich mich weniger langweile) mit dem CEN - CINAI auszuarbeiten.
Vor einer Woche brach sich die eine Lehrerinn dann auch noch den Arm und wird demnach einen Monat nicht zur Arbeit kommen. Zudem nahm sich die zweite Lehererin eine Woche Auszeit, weil sie psychisch angeschlagen war - so hätte ich mich eigentlich eine Woche mit Putzen und Rumhängen langweilen sollen.
Meine "Bestimmung" aber war, dass ich mir eine Art Magendarmvirus einfing (oder etwas falsches gegessen habe - ich bin mir nicht sicher, was der Auslöser war) und nahezu zwei Tage zuhause im Bad verbringen durfte. Es ging mir echt nicht gut, aber am Ende des zweiten Tages fühlte ich mich schon viel besser - was wohl daran lag, dass mein ganzer Mageninhalt einmal "entleert" wurde. Danach musste ich noch zwei Tage ein wenig darauf achten, was ich ass, aber das war es auch schon. Kurz und (fast) schmerzlos mein "Heilungsprozess".
Abends fühle ich mich meist ausgelaugt und müde, was wohl auch daran liegt, dass ich um 3.30 Uhr aufstehe (mal abgesehen davon, wenn ich "Rest Day" beim Cardio Training habe und "erst" um 5.00 Uhr aufstehen muss).
Meinen Gasteltern geht es nicht anders, hauptsächlich, weil das neue Unternehmen meines Gastvaters ihnen viel abverlangt (jeden Abend Essen vorbereiten für den kommmenden Tag etc.). Dennoch hält sich der Stress einigermassen in Grenzen, was unsere Beziehung begünstigt.
Trotzdem gab es vermehrt schon einige Problemsituationen, die aber mit Verständnis ihrerseits und Anpassung meinerseits gelöst werden konnten.
Das grösste Problem war, dass ich auch nach zwei freundlichen Hinweisen noch immer nicht mein Bett machte morgens und immer noch Chaos herrschte in meinem Zimmer oder im Bad. Nachdem mir Alex dann eine Predigt verpasste, war mir klar, dass es ihnen wirklich ernst war und bemühe mich seitdem auch darum, Ordnung zu halten.
Ausserdem verstehe ich ihren Standpunkt völlig, dennoch kann ich mich nicht innerhalb eines Tages in den ordentlichsten Menschen der Welt verwandeln. Alex und Ivonne verstehen mich eigentlich auch und meinen es nie böse mit mir, nur fühle ich mich meist blossgestellt und eingeschüchtert, wenn sie mich wegen einer Sache ermahnen müssen. Das liegt wohl daran, dass ich Mühe habe mit Kritik umzugehen. Denn nach einem Tadel habe ich immer gleich das Gefühl man möge mich nicht mehr (ja, ich weiss, dass ich einen Hang zum Übertreiben habe). Zudem nervt es mich, dass sie aus mir einen ordentlichen Menschen machen wollen, da ich mir einfach nicht gerne von anderen was sagen lasse.
Ganz allgemein gesagt: Ich fühle mich in vielen Situationen unsicher und weiss nicht wie mich verhalten. Doch ich denke diese Erfahrung hier in Costa Rica wird mir helfen sicherer und lockerer zu werden - und mich auch reifen lassen. Auch wenn ich momentan immer wieder mal in den sauren Apfel beissen muss - Ivonne und Alex haben nunmal andere Regeln und Überzeugungen, an die ich mich erst gewöhnen und bis zu einem gewissen Grad anpassen muss.
Doch genug jetzt vom negativen, denn es gibt noch viele postive Dinge aus den letzten Wochen zu berichten.
Das letzte Februarwochende nutzte ich, um die himmlisch schöne Katedrale "Basilica de Nuestra Senora de Los Angeles" zusammen mit Franzi zu besichtigen und Tamales (eine Art Eintopf in Palmblätter eingewickelt) mit ihrer Familie zu essen. Es war noch eindrücklich wie gerade eine Messe in der riesigen Kirche stattfand und mir dabei auch klar wurde, dass der costericanische Katholizismus fast identisch ist mit dem schweizerischen Katholizismus - ausgenommen die Sprache natürlich. Und das Essen danach war wie fast alles für den Magen hier hervorragend.
Das folgende Wochenende kochte ich für meine Gasteltern "Züri Gschnätzlets mit Rösti" - sie liebten es (und nichts ging schief zum Glück) und feierte bei Xiomara zusammen mit meinen Gasteltern und vielen weiteren Gästen den Geburtstag einer Bekannten - ich kam dabei in den Genuss von der Torta Chilena - eine Arte Blätterteigkuchen, gefüllt mit Dulce de Leche (wie Caramel) und umhüllt mit Lustre (süsse Schlagsahne) - einfach köstlich, aber mastig.
Am nächsten Tag ging es zusammen mit Alex' Schwester Angela, ihrem Mann Gerardo, der kleinen Valentina und natürlich Ivonne und Alex auf den Vulkan Poas. Leider aber war die Sicht durch die Wolken so schlecht, dass man von dem 1,3 km breiten Krater und der Lagune rein gar nichts sehen konnte. Dennoch genoss ich die frische Bergluft und die prächtige Flora und Fauna des anliegenden Nationalparks. Danach gingen wir noch in eine Art Adventure Park, wo ich mit Ivonne und Valentina mit Alex in kleinen Booten auf einem künstlichen See rumkurvten, wobei meine und Ivonnes Ruderkünste zu wünschen übrig liessen. Das Wetter auf ein bisschen weniger Höhenmeter war einfach herrlich. So oder so: Den ganzen Tag genoss ich wirklich und mit Valentina verstehe ich mich ausserdem bereits wie mit einer kleinen Schwester - die ganze Rückfahrt trieben wir Schabernack auf dem Rücksitz und fuhren bei ihr zuhause noch ein wenig Rad, bis es eindunkelte.
Nach der überstandenen Krankheit fuhr ich das vergangene Wochenende (nach verdientem "Ausschlafen" bis 7.30 Uhr) mit Ivonne und Alex zu einer Automesse in Heredia. Normalerweise langweilen mich solche Aktivitäten, aber zusammen mit ihnen war es eigentlich noch recht spassig über Autos zu diskutieren und zu sehen, welche Marken in Costa Rica häufig gesehen waren (hauptsächlich japanische wie Suzuki, aber auch deutsche und amerikanische waren vertreten) und welche in der Schweiz. Nach einer gesunden Mahlzeit bei Mc Donald's legten wir uns verhältnismässig spät schlafen (etwa um 11.00 Uhr).
Letzten Sonntag fuhren wir nachmittags nach einem köstlichen Mittagessen mit Ivonnes Familie in einem chinesischen Restaurant nach San José (oder Chepe wie die Costaricaner die Hauptstadt auch nennen - Chepe ist der Spitzname von José). Denn dort fand gerade das "Transitarte" statt, ein Art Festival mit Konzerten regionaler Künstler und Ständen mit handgemachten Artikeln. Ich genoss die Atmosphäre, die an einen schweizerischen Jahrmarkt errinnerte, die Sonne und das Zusammensein mit meiner Familie. Einige Freunde von AFS waren ebenfalls dort unterwegs, aber leider habe ich sie nicht angetroffen. Ich hoffe aber schwer, dass wir bald wieder was unternehmen, wo ich dann auch teilnehmen und sie so wieder einmal sehen kann. Auf dem Heimweg machten wir im frischgewachenen Auto Halt beim Drive In von Mc Donald's und kauften uns ein Eis - das wir dann genüsslich assen, während wir über die holprigen Strassen nachhause brausten.
So waren auch schon wieder drei Wochenenden wie im Flug vergangen und die Semana Santa (die Woche vor Karfreitag) nahte, wo ich Ferien haben werde (wie die meisten Menschen, die in staatlichen Institutionen arbeiteten). Was ich genau machen werde ist noch offen, aber eines ist klar: Ich will die Woche nutzen, um ein wenig was vom Land zu sehen - und so hoffentlich auch das Meer und den Strand.
Zudem werde ich mir Ivonne Spezialitäten kochen und backen - denn dies ist eine Art Tradition in der Semana Santa: ganz viel Essen zubereiten zum Ende der Fastenzeit.
Ansonsten lass ich mich überraschen, was das costaricanische Leben so für mich bereit hält.


Basilica de Nuestra Senora de Los Angeles

Familienselfie auf dem Vulkan

Auf dem Vulkan Poas

Nationalpark Vulkan Poas

Aussicht vom Adventure Park

"Transitarte" in San José